Content-Management ohne Overhead, Teil 1 Flat-File-CMS für jeden Geschmack

Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Content-Management leicht gemacht: Wer als Entwickler Hilfetexte, FAQs oder einfach eine Website zu einer App bereitstellen will, muss sich nicht selten mit Systemen wie Wordpress befassen, Overhead inklusive. Wesentlich einfacher geht es mit Flat-File-Systemen.

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Für einfache Webseiten, beispielsweise Text-basierte Blogs, eignen sich Flat-File-CMS ausgezeichnet.
Für einfache Webseiten, beispielsweise Text-basierte Blogs, eignen sich Flat-File-CMS ausgezeichnet.
(Bild: suzyhazelwood / Pexels )

Egal ob FAQ, internes Wiki, Hilfetexte oder eine Endkunden-Website für eine kleine App: Software-Entwickler kommen immer wieder in die Situation, dass sie das geschriebene Wort oder Bildmaterial für eine größere Zielgruppe zur Verfügung stellen müssen.

Der Ausflug in die Webentwicklung ist oft unvermeidbar. Wer diese Büchse der Pandora öffnet, wird schnell feststellen, dass die meisten Content-Management-Systeme – sei es Drupal, Wordpress oder gar Typo3 – für kleine Webprojekte vollkommen überfrachtet sind.

Einerseits brauchen sie einen relativ leistungsstarken Webspace, der Kosten und Wartungsaufwand verursacht. Andererseits ist der Overhead für die Wartung des Systems an sich enorm, zumal diese CMS sehr weit verbreitet und entsprechend beliebt bei Angreifern sind.

Flat-File-CMS: Einfach und effizient

Wer einfach nur Inhalte publizieren will, ist deshalb mit einer kleineren Lösung besser beraten: Sogenannte Flat-File-CMS speichern Inhalte in einfachen („flachen“) Text- und HTML-Dateien und Ordnerstrukturen und kommen dadurch ohne externe Datenbanken wie MySQL oder MariaDB aus. Damit arbeiten sie auch auf einfachsten Webspaces, was Kosten spart. Und bei Bedarf können durch einfaches Kopieren umgezogen werden. Doch es gibt noch mehr Vorteile:

Benutzerfreundlichkeit: Ein Flat-File-CMS wird auf den Server kopiert und mit wenigen Klicks im Browser oder per Text-Editor eingerichtet, fertig.

Geschwindigkeit: Der Verzicht auf ein Datenbank-Management sorgt für hohe Geschwindigkeit, gerade bei einfachen Seiten.

Wartungsfreundlichkeit: Wartungsarbeiten sind ganz einfach per FTP-Programm und Text-Editor durchführbar.

Sicherheit: Flat-File-Systeme sind gelebtes KISS („Keep it simple, stupid“): Weniger Schnittstellen und Funktionen bedeuten weniger Angriffsfläche für Computerkriminelle und reduzieren Fehlerquellen.

Backup-Freundlichkeit: Bei Flat-File-Systemen ist ein einfachstes Backup durch Kopieren der Dateien auf einen anderen Speicher, etwa per rsync in einen Cloud-Ordner oder per Cronjob auf einen Backup-Server.

Komfort: Die Bedienung entspricht in den allermeisten Fällen gängigen Bedienkonzepten von „großen“ CMS-Systemen, sprich einem User-Frontend und einem Admin-Backend. Was in großen Teilen entfällt, ist die Server-Ebene, da hier kaum Wartung nötig ist.

Flexibilität: Gängige Flat-File-Systeme sind nicht nur leicht an die eigenen Bedürfnisse anpassbar, sondern besitzen durchaus moderne Technologien wie Markdown, Plugin- und Theme-Schnittstellen.

Flat-File-Systeme: Welche sind empfehlenswert?

Derzeit gleicht der „Markt“ der meist kostenlosen Content-Management-Systeme nach dem Flat-File-Prinzip der Situation, die sich vor 20 Jahren beim Aufkommen der ersten Blog-Systeme bot: Damals gab es neben Wordpress eine reiche Auswahl vergleichbarer Systeme, bei denen sich aber Wordpress mit der Zeit als das beliebteste herauskristallisierte.

Eine derartige Entwicklung ist im Flat-File-Bereich momentan noch nicht absehbar, zumal die Content-Management-Systeme und Wikis in aller Regel neben den großen Systemen existieren und Spezialaufgaben übernehmen. Allerdings gibt es eine Reihe sehr vielversprechender Kandidaten:

DokuWiki

Wiki-Systeme sind in aller Regel komplex, weil sie für viele parallele User und Bearbeitungsschritte ausgelegt sind. Genau deshalb gibt es auch DokuWiki: Das Flat-File-Wiki-System ist darauf ausgelegt, im Handumdrehen kleinere Wiki-Systeme einzurichten, wie sie etwa für Teams, kleinere Unternehmen, Knowledge-Bases oder Intranet-Lexika benötigt werden. Der entscheidende Faktor hier ist der gegenüber „großen“ Systemen wie MediaWiki nahezu nicht vorhandene Overhead: Ist ein Projekt beendet, kann der DokuWiki-Ordner auf dem Webspace einfach gezippt und archiviert werden. Trotzdem müssen Anwender nicht auf den Komfort der großen Systeme verzichten, die allerdings für die seltenen großen Wiki-Projekte nach wie vor das Nonplusultra darstellen dürften.

FlatPress

Der Name beim deutschen Open-Source-Projekt FlatPress ist Programm, nicht umsonst orientiert man sich an Wordpress. Und das aus gutem Grund: FlatPress konzentriert sich – wie ursprünglich Wordpress – auf den Blog-Aspekt des Content-Managements, nämlich das möglichst einfache Publizieren lockerer Inhalte. Standardkonformität ist den Entwicklern des unter PHP laufenden Systems sehr wichtig, zudem gibt es das System bereits seit 15 Jahren, wodurch es einen gewissen Reifegrad erreicht hat. Themes werden mit der Smarty-Theme-Engine erstellt.

GetSimple CMS

GetSimple ist ein ebenso effizientes wie flexibles Flat-File-CMS auf XML-Basis. Das unter GPL laufende CMS bietet einige interessanten Sonderfunktionen: So ist die Erstellung von Themes besonders einfach gehalten und es ist auf die Erstellung kleiner Websites optimiert. Zahlreiche Add-Ons erlauben das schnelle Anpassen des Systems an die eigenen Bedürfnisse. Durch den hohen Grad an Minimalismus bietet sich GetSimple vor allem für sehr einfache Websites an.

Gollum Wiki

Eher für technikaffine Nutzer ist Gollum-Wiki gedacht: Die Idee ist, ein Wiki-System auf Basis von Git bereit zu stellen. Das bedeutet, dass Änderungen bequem über Git-Befehle eingepflegt werden können. Auf Markdown, BibTex, MathJax und andere Sprachen müssen Nutzer dabei allerdings nicht verzichten. Die Installation ist schnell per Kommandozeile erledigt, auch die gesamte Bedienung wird auf diese Weise abgewickelt.

Grav

Bei Grav handelt es sich um ein modernes Open-Source-CMS mit Flat-File-Technologie. Neben einer leistungsfähigen API und hoher Geschwindigkeit kann Grav durch sein Theme- und Plugin-System punkten: Das Admin-Interface ist ebenfalls als Plugin erhältlich, die Bedienung kann auch bequem per Editor erfolgen. Markdown und Bildbearbeitungsfunktionen sind ebenfalls an Bord. Wer Wordpress kennt, wird sich hier sofort zurecht finden.

Pico

Pico CMS bedient eine ähnliche Zielgruppe wie Grav, also Nutzer, die ein technisch einfaches CMS mit einer Reihe praktischer Funktionen zur Hand haben möchten. Allerdings setzt Pico deutlich mehr auf Einfachheit und Geschwindigkeit und lässt sich auch über die Kommandozeile bedienen. Eine leistungfähige Theme-Schnittstelle und die Unterstützung für Plugins ist ebenfalls an Bord.

Typemill

Einen interessanten, minimalistischen Ansatz verfolgt auch Typemill: Das schlanke, leicht einzurichtende Flat-File-CMS ist speziell für den Einsatz in textlastigen Anwendungen gedacht. Es dient dem Micro-Publishing, etwa für Dokumentationen, Web-Visitenkarten, Developer-Notes, wissenschaftliche Artikel oder auch Web-Romane. Dadurch ist Typemill auch besonders gut für Entwickler geeignet. Die Plugin- und Theme-Auswahl ist zwar relativ klein und dem textlichen und wissenschaftlichen Ansatz untergeordnet, allerdings sind die vorhandenen Themes und Plugins überaus praktisch. Hübsch ist die Idee des „Stores“: Wer Themes oder Plugins nutzt, kann den Entwickler per Paypal mit einem Trinkgeld versorgen.

Fazit

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Flat-File-Systeme im persönlichen Einsatz zu testen oder im Unternehmen als zentrale Produktivitätslösung einzusetzen. Sie sind mit wenigen Handgriffen installiert, auch Backups oder Kopien sind ein Kinderspiel.

Gleichzeitig erfüllen Flat-File-CMS aber den angedachten Zweck, für kleinere und mittlere Projekte eine solide Content-Management-Basis bereit zu stellen. Entwickler können im Alltag von einem solchen System profitieren, weil es überaus ressourcenschonend auf irgendeinem beliebigen Webspace oder lokalen Webserver läuft und so gut wie keinen Overhead verursacht.

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Über den Autor

 Christian Rentrop

Christian Rentrop

IT-Fachautor