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Application Performance von Appdynamics Echtzeitanalyse von Transaktionen und Microservices

| Autor: Ulrike Ostler

Der Beginn von Staffel 4 der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ auf dem Streaming-Service „HBO GO“ im Frühjahr 2014 endete mit einem Crash. Rund 6,6 Millionen Zuschauer zählte bisher eine Folge durchschnittlich. Doch beim Start eines neuen Kapitels steigt die Zahl auch schon einmal auf fast das Doppelte. Jetzt kommt das Application Performance Management, kurz APM, von Appdynamics zum Einsatz.

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Nach dem Projekt "Polar Bear", bei dem unter anderem das Applikation-Performance-Tool von Appdynamics eingeführt wurde, läuft das Streaming von "Game of Thrones" besser.
Nach dem Projekt "Polar Bear", bei dem unter anderem das Applikation-Performance-Tool von Appdynamics eingeführt wurde, läuft das Streaming von "Game of Thrones" besser.
(Bild: Appdynamics/ John Feiler)

Hierzulande noch weitgehend unbekannt, gehört AppDynamics dennoch zu den am schnellsten wachsenden APM-Anbietern weltweit. Der Hersteller ringt somit laut den Analysten, etwa Gartner, mit der „Application Intelligence-Plattform“ der etablierten Konkurrenz als auch neueren APM-Konkurrenten Kunden ab.

Die Suite sei das Ergebnis organischer Entwicklung und vermittle den Anwendern eine konsistente Sicht und schnelle Analyse-Ergebnisse. Appdynamics bietet die Software für den Einsatz vor Ort, als auch per Service (SaaS) an.

Seit dem Winter 2015 ist Ex-Adobe-Mitarbeiter David Wadhwani der Chief Executive Officer (CEO); nach Einnahme der Position konnte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit 150 Millionen Dollar abschließen, so dass der gegenwärtige Wert des Unternehmens auf rund 2 Milliarden Dollar geschätzt wird. Dennoch kämpft die Company mit der Profitabilität.

Die Kommentare auf Twitter zeigen es: Die Systeme hinter dem Streaming-Service HBO GO gingen bei der Premiere der 4. Staffel "Game of Thrones" am 7. April 2014 n die Knie.
Die Kommentare auf Twitter zeigen es: Die Systeme hinter dem Streaming-Service HBO GO gingen bei der Premiere der 4. Staffel "Game of Thrones" am 7. April 2014 n die Knie.
(Bild: Twitter/ Vogel IT-Medien GmbH)

Cisco nutzt 15.000 Agenten

Weltweit zählt Appdynamics rund 140 Kunden, die derzeit größte Installation hat Cisco. Die Plattform setzt sich aus einem Controller und Agenten zusammen. Cisco setzt rund 15.000 Agenten und einen Controller ein. Damit konnte der Netzwerk-Konzern etwa seine Fehlalarme von rund 96 Prozent bei rund 88.000 Administrator-Alarmierungen im Jahr auf rund 3.000 senken.

Zu überwachen sind 2.000 physische Server und 5.000 virtuelle Maschinen für insgesamt über 200 Anwendungen. Als sich der Konzern im Mai 2013 erstmals aktiv mit Appdynamics im Rahmen eines Proof of Concept auf den wichtigsten Sicherheits-Scannern beschäftigte, hatte er im Vorjahr zudem einen Benutzeranstieg von 12 Prozent verzeichnet. Das durchschnittliche tägliche Transaktionsvolumen stieg von 5,5 Milliarden auf 6,37 Milliarden.

Appdynamics wurde schließlich weltweit in 23 Rechenzentren von Cisco in nur einer Woche installiert. Alle 15.000 Agenten berichten an einen zentralen, von Appdynamics-gehosteten SaaS-Controller.

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Anwendungen werden grafisch dargestellt.
Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Anwendungen werden grafisch dargestellt.
(Bild: Appdynamics)

Nitin Thakur, Technical Operations Manager der Cisco Security Technology Group, erläutert: „Vor Appdynamics waren Überstunden für unser Team im Network Operations Center (NOC) an der Tagesordnung. Selbst wenn das NOC-Team durchschnittlich nur fünf Minuten pro Fehlalarm aufgewendet hätte, waren das bereits 7.000 Personalstunden im Jahr.“

Preise und ROI

Das Pricing der APM-Software setzt auf Subscription; dabei wird ein Vertrag in aller Regel auf 3 Jahre abgeschlossen. Ein Agent kostet im Schnitt 8.000 Euro. Allerdings verlängern 99 Prozent der Kunden den Vertrag. Vor der Einführung der Tools bietet Appdynamics ein „Business Value Assessment“ (BVA). Dieses bewertet das Anwendungspotential. Die Amortisationsdauer der APM-Tools von Appdynamicsgibt das Unternehmen mit 6 bis 9 Monaten an.

Das Magische Quadrat von Gartner zu Application Performance Monitoring Suites: Appdynamics spielt vorne in der Liga.
Das Magische Quadrat von Gartner zu Application Performance Monitoring Suites: Appdynamics spielt vorne in der Liga.
(Bild: Gartner)

Das Tool bietet ein automatisches Erkennen und Beibehalten von Geschäftstransaktionen mit der Möglichkeit zum Markieren und Nachverfolgen. Dabei werden Endbenutzer, Anwendungen, Middleware, wie ESBs, SOA, LDAP, und Datenbanken integriert und die zugrunde liegenden Infrastrukturen. Bei Anwendungsänderungen erlaubt das Tool eine dynamische Aktualisierung.

Per Drill-down können Admins und DevOps-Teams bis auf die Code-Ebene der Applikationen vordringen.
Per Drill-down können Admins und DevOps-Teams bis auf die Code-Ebene der Applikationen vordringen.
(Bild: Appdynamics)

Die Darstellung zeigt das Beziehungsgeflecht auf. Geht der Anwender auf einer der neuralgischen Punkte, gibt es die Möglichkeit des Drill-down, so dass im drohenden Fehlerfall weitere Analysen und schnelles Handeln folgen können. Zudem setzt Appdynamics auf nicht nur benutzerfreundliche sondern auch rollenbezogene Ansichten für App-übergreifende Teams:

  • Ein Datenbankadministrator kann auf Daten zur Datenbanknutzung durch die Anwendungen, Datenbankdetails und Infrastrukturinformationen (Server, Speicher und Netzwerk) zugreifen, bei denen es sich um Parameter handelt, die sich auf die Datenbankleistung auswirken können. Das Appdynamics-Tool kann etwa direkt in SQL-Datenbanken hineinschauen - Ausnahme: Informix – und in die Anwendungen bis auf die Code-Ebene.
  • Im Anschluss an die Veröffentlichung einer Anwendung kann das DevOps-Team schnell Änderungen am Anwendungs- und Transaktionsfluss ermitteln und diese Leistungsproblemen zuordnen.

Dabei laufen die Agenten quasi mit der Transkation mit; damit ist ein Verfolgen von einem bis zum anderen Ende möglich. Das Werkzeug „lernt“ zudem Obergrenzen, zum Beispiel die Leistungsgrenzen eines jeden Hypervisors. Entsprechend lassen sich automatisiert Skripte anstoßen, die etwa VMs skalieren, weitere Server zuschalten oder neue Container initiieren können.

Zumeist reichen wenige Clicks, um die Fehlerquelle zu finden, so Appdynamics.
Zumeist reichen wenige Clicks, um die Fehlerquelle zu finden, so Appdynamics.
(Bild: Appdynamics)

Bislang war lediglich unsichtbar, was in Mainframes vor sich geht. Doch nun sind Appdynamics und Compuware eine Kooperation eingegangen. Mit Hilfe des Tool „Strobe“ lassen sich nun auch in Appdynamics Performance-Aussagen treffen, die den Mainframe betreffen.

Kooperationen kann Appdynamics auch mit OpenStack, Cloud Foundry, Azure und AWS vorweisen. HBO GO beispielsweise ist eine OpenStack-Implementierung.

Die jüngsten Versionen

Seit Januar bietet Appdynamics eine jüngere Version seiner Application Intelligence Platform an: Neu ist die Möglichkeit eines synthetischen Monitoring. Zuvor war es lediglich möglich, reelle Abläufe zu überwachen und zu erfassen. Das Einspielen von Updates beispielsweise geschieht in den meisten Formen jedoch nachts oder über das Wochenende, wenn die Benutzer die Produktivsysteme nicht oder nur in geringem Maße nutzen. Nun können sie Appdynamics-Roboter quasi permanent in definierten Zeitabständen vorab testen, welche Auswirkungen Updates auf das Gesamtsystem haben werden.

Top-Trend Microservices in IT-Architekturen

Noch vergleichsweise neu, Release vom Sommer 2015, ist die Unterstützung von Microservices, ein Top-Trend in IT-Architekturen. Dabei spalten Unternehmen ihre großen, starren, monolithischen Applikationen in kleinere, leichter zu administrierende Komponenten auf. So lässt sich die Agilität erhöhen und besser auf individuelle Geschäftsanforderungen anpassen.

Die erhöhte Flexibilität und einfachere Bedienbarkeit bringen aber auch neue Anforderungen mit sich: So ist beispielsweise die Überwachung und Reparatur von Anwendungen in Microservice-Architekturen weitaus komplexer und schwieriger, da zur Ausführung der kleineren Komponenten deutlich mehr Anwendungsserver-Instanzen und damit Ressourcen benötigt werden. Um die dafür erforderliche höhere Anzahl virtueller Computer einfacher verwalten zu können, nutzen Unternehmen häufig Container-Technologien wie Docker.

Mikroservice-Architekturen bergen zudem in puncto Betriebs-Management weitere Herausforderungen, denn jede Benutzertransaktion nimmt in der Regel hunderte unterschiedliche Dienste in Anspruch. Bereits ein einzelnes Problem in einem einzigen Dienst kann sich negativ auf die User Experience auswirken. Darüber hinaus werden Mikroservice-Architekturen meist von mehreren kleinen Entwicklungsteams betreut, die wesentlich häufiger neue Codes in der Produktionsumgebung implementieren.

„Wir erwarten, dass der Einsatz von Mikroservices in Unternehmen in diesem Jahr deutlich zunimmt“, sagt Dennis Callaghan, Senior Analyst of Infrastructure Software beim Analystenhaus 451 Research. „Organisationen benötigen zwei Dinge, um ihre Mikroservice-Architekturen effektiv zu überwachen und damit ihren zuverlässigen Betrieb sicherzustellen: Erstens die Fähigkeit, das Applikations- und Transaktionsverhalten in Echtzeit beobachten zu können und Transaktionen in den immer komplexeren und stärker verteilten Infrastrukturen nachverfolgen zu können. Zweitens ein APM-Kostenmodell, das berücksichtigt, dass deutlich mehr kleinere Instanzen überwacht werden müssen.“

Die Transaktionslast auf dem Streaming-Servive HBO GO ist bei einer Premiere mehr als doppelt so hoch wie ind "normalen" Wochen.
Die Transaktionslast auf dem Streaming-Servive HBO GO ist bei einer Premiere mehr als doppelt so hoch wie ind "normalen" Wochen.
(Bild: John Feiler)

In dieser Woche läuft die 5.Staffel der Verfilmung des Bestsellers von George R.R. Martin um Blut, Eingeweiden und valyrischem Stahl im deutschen Free-TV an. In den USA ist kein Ausfall zu verzeichnen gewesen. Appdynamics hat die Geschäftstransaktionen End-to-End in Echtzeit – einschließlich aller API-Aufrufe und über sämtlicher Microservices- und Infrastrukturkomponenten identifiziert und verfolgt.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider