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Interview mit Wolfgang Fresser von Couchbase „Disk-basierte Datenbanken sind nicht mehr zeitgemäß“

Redakteur: Stephan Augsten

Digitalisierung und Agilität erfordern eine Flexibilität, die sich nicht so recht mit einer starren Datenverarbeitung vereinbaren lassen. Als Datenbank-Experte gibt Wolfgang Fresser, Regional Director DACH bei Couchbase, im Interview einige Denkanstöße.

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Wolfgang Fresser: „Durch die Digitalisierung rücken Datenbanken ins Zentrum der Datenverarbeitung.“
Wolfgang Fresser: „Durch die Digitalisierung rücken Datenbanken ins Zentrum der Datenverarbeitung.“
(Collage: Couchbase / geralt - Pixabay.com (CC0))

Dev-Insider: Die Digitalisierungswelle hat mittlerweile unseren gesamten Alltag erfasst. Welche Rolle spielen in dieser neuen Welt die Daten und Datenbanken, insbesondere mit Blick auf Agilität und Verfügbarkeit – und wie hat sich der Stellenwert von Datenbanken in den vergangenen Jahren verändert?

Wolfgang Fresser: In der Vergangenheit wurden Datenbanken nach starren Vorschriften mit Informationen gespeist. Die Folge waren langatmige Prozessketten aus Speicher-, Arbeits- und Ladevorgängen – dieses Modell ist überholt und passt nicht mehr ins Bild.

Glasfaserausbau, mobile 5G-Netze und regionale Verfügbarkeit von Rechenzentren sorgen für eine deutliche Verbesserung der Latenzzeiten. Daher dürfen Datenbanken nicht zum Bremsklotz werden. Auch sie müssen schneller und hochverfügbar werden.

Durch die Digitalisierung rücken Datenbanken ins Zentrum der Datenverarbeitung, da das direkte Engagement mit den Usern immer wichtiger wird. Immer mehr Unternehmensprozesse laufen online ab, daher sind Disk-basierte Datenbanken nicht mehr zeitgemäß.

Nicht-relationale Memory-Datenbanken durchbrechen alte Limitierungen und sind Kernträger der Digitalisierungen. Dabei sind NoSQL-Ansätze so weit entwickelt, dass sie sich an sämtliche Applikationen und verschiedene Use-Cases anpassen lassen.

Dev-Insider: Als ursprüngliches Open-Source-Projekt steht hinter Couchbase nach wie vor eine große Community, die aktiv eigenen Code und Bugfixes liefert. Welchen Stellenwert hat die Community heute noch für Sie?

Fresser: Wir stehen klar zur Open-Source-Community und freuen uns, dass diese immer weiter wächst. Viele Entwicklungen wären ohne diese Unterstützung nicht möglich gewesen. Darauf setzen wir auch in Zukunft, daher hat dies einen hohen Stellenwert für uns. Couchbase ist weiterhin als Community-Version gratis verfügbar: https://developer.couchbase.com/documentation/server/4.5/introduction/editions.html

Dev-Insider: Was entgegnen Sie Kritikern, die Open-Source-Projekte per se als zu transparent und demzufolge anfällig bezeichnen?

Grundsätzlich kann Open-Source zu Problemen führen, allerdings nur, wenn man sich diesen nicht annimmt. Daher bieten wir in der Enterprise-Lösung unter anderem die nötigen Schutzmechanismen. Damit tragen wir genau diesen Punkt in Rechnung und bieten ein Höchstmaß an Sicherheit und Performance

Damit haben einerseits den Vorteil, dass Schwachstellen durch die Open-Source-Community schneller gefunden und gepatcht werden können. Gleichzeitig sind wir aber durch unsere professionelle Aufstellung mit der Enterprise-Lösung in der Lage, den Kunden entsprechende Support- und Beratungsleistungen zu bieten. Zudem geht bieten wir zusätzliche Features für mehr Sicherheit und Hochverfügbarkeit an.

Die Mischung aus Open-Source und professionellen Angeboten schafft ein rundes Paket. Dadurch sind wir nicht anfällig und unsere Nutzer laufen nicht Gefahr, Teil eines Experiments zu sein.

Dev-Insider: Wie stufen Sie vor diesem Hintergrund das Sicherheitsniveau Ihrer Datenbank-Lösungen ein?

Fresser: Sicherheit in all ihren Facetten ist unserer Ansicht ein Grundpfeiler der digitalen Integration. Deshalb hat es bei uns einen elementaren Stellenwert. Besonders bei den Enterprise-Lösungen liegt der Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit.

Zum einen bedeutet das die richtige Vorkehrung gegen Datenverluste und Performance-Schwankungen, aber eben auch die Umsetzung von Normen und Richtlinien. Für uns gelten dabei die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung: Security-by-Default und Security-by-Design sind zwei Schlagworte, die wir beachten.

Unsere Ansätze sind von Haus aus auf Sicherheit konfiguriert und Datenschutz hat bei jedem Prozess einen hohen Stellenwert. Natürlich unterstützen wir auch verschiedene Verschlüsselungsmechanismen. Neben einer eigenen Lösung haben wir auch mehrere namhafte Technologiepartner wie Gemalto oder Vormetric, deren Mechanismen unterstützt werden.

Dev-Insider: Mit Couchbase Server und Couchbase Mobile haben Sie zwei Produkte im Portfolio, die Unternehmen bei ihrer App-Entwicklung unterstützen sollen. Für welche Anwendungsfälle eignen sich die Lösungen besonders?

Fresser: Entwickler sind natürlich bei der Digitalisierung eine klare Zielgruppe. Mit der neuen Version 5.0 von Couchbase Server bieten wir fünf Use-Cases speziell für diesen Bereich.

Da wäre als erstes die Hochverfügbarkeit von Informationen. Denn gerade bei Online-Katalogen oder anderen Suchanfragen müssen Daten schnell einsehbar sein. Zudem ist gerade im Bereich eCommerce die Personalisierung eine wichtige Funktion.

Ein weiterer Fokus liegt auf IoT-Applikationen, denn im Internet of Everything geht es um die schnelle Verarbeitung von Informationen aus unterschiedlichsten Sensoren: Temperatur, Audiodaten und Bewegung sind nur einige Beispiele, deren Inhalte umgehend korreliert werden müssen.

Ein weniger in der Öffentlichkeit wahrgenommenes Feld ist das Profil-Management. Social-Media-Portale oder andere Nutzerportale brauchen Lösungen, die eine schnelle Authentifizierung und Anpassung über verschiedene Kanäle unterstützen.

Um dem Big-Data-Trend gerecht zu werden, integriert Couchbase Daten in Hadoop und Storm und ermöglicht so die Analyse von großen Datenmengen in Echtzeit. Und last but not least wäre da noch der Schwerpunkt „Content Management“ – Inhalte jeder Art können ohne festes Datenmodell gepflegt werden.

Im Bereich Mobile eröffnen sich mit der Version 2.0 von Couchbase mobile zudem zwei spezifische Anwendungsmöglichkeiten: Das erste besteht in der Abbildung von Offline-Szenarien mit späterer Synchronisierung. Man denke hier an Google Maps mit der Online-Kalkulation der Route, Offline-Streckennavigation und Online-Auswertung bei erneutem Netzzugang zu einem späteren Zeitpunkt. Desweiteren ermöglichen wir die Synchronisierung mit anderen Endpunkten ohne direkten Internetzugang über P2P-Kommunikation.

Grundsätzlich geht es Couchbase um das Mobile Enablement & Mobility. Egal, welche Kommunikationskanal im Field verfügbar ist, wir möchten die Arbeitsfähigkeit und Funktion für die Nutzer gewährleisten. Daher unterstützen wir neben Sim und Wifi auch weitere Transportkanäle und eben auch Offline-Funktionen. Weitere Details gibt es in unserer Developer Plattform: https://developer.couchbase.com/.

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