Platform as a Service – ein dynamischer, bunter Cloud-Markt

Die wichtigsten Spieler auf dem PaaS-Feld

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Marktforscher gehen davon aus, dass Platform as a Service zum erfolgsentscheidenden Faktor wird, wie sich Lösungsentwickler profilieren und Kunden innovative Apps für Web, Mobile und Social finden können.
Marktforscher gehen davon aus, dass Platform as a Service zum erfolgsentscheidenden Faktor wird, wie sich Lösungsentwickler profilieren und Kunden innovative Apps für Web, Mobile und Social finden können. (© Mathias Rosenthal, Fotolia)

Cloud-Plattformen (PaaS) sind ein dynamischer Markt mit einer Wachstumsrate von nahezu 40 Prozent, wie die Forrester Group vorhersagt. Die bestehenden über 160 Anbieter bauen ihre Angebote und Infrastruktur rasch aus, täglich kommen neue Provider hinzu. Ein Überblick über die wichtigsten Player soll bei der Auswahl helfen.

Praktisch jeder PaaS-Kunde wählt eine Platform as a Service, um die Skalierbarkeit und die Performance der Public-Cloud-Angebote zu nutzen: Er will Speed und Agilität, um im rasanten globalen Wettbewerb mithalten zu können. Aber die Bereitstellung von Infrastruktur (IaaS) und Software (SaaS) ist nur die halbe Miete, zumal für den Provider, der sich gegenüber seinem Mitbewerb abheben muss.

Zwischen IaaS und SaaS entwickelt sich PaaS nach Erkenntnissen der Experton Group zum erfolgsentscheidenden Faktor, wo sich Lösungsentwickler profilieren und Kunden innovative Apps für Web, Mobile und Social finden können. Auf diesem Schlachtfeld finden sich kleine ISVs und neue IaaS-Provider auf einmal auf Augenhöhe mit alteingesessenen Schlachtrössern wie IBM, Oracle, SAP und Microsoft. Der folgende Überblick kann nur die wichtigsten Player knapp vorstellen.

1. OpenStack

Die von der OpenStack Community verwaltete Plattform wird vor allem für IaaS-Zwecke implementiert. Weil sie aber die Grundlage für die PaaS-Angebote von HP, Rackspace und IBM etc. bildet, sei sie hier kurz erwähnt. Sie ist zudem kompatibel zu den Amazon Web Services EC2 und S3. OpenStack umfasst Services für Compute, Object Storage, Block Storage, Networking, Dashboard-GUI, Identität, Image-Backup, Telemetrie, Orchestrierung, Datenbank und Elastic Map Reduce (wichtig für Hadoop-Nutzer).

2. CloudFoundry

CloudFoundry setzt auf OpenStack auf und stellt dem Entwickler gegenüber eine Plattform bereit, die die darunterliegende Infrastruktur abstrahiert. CloudFoundry selbst besitzt offene Schnittstellen, die es erlauben, eine breite Anzahl an Programmiersprachen und Laufzeitumgebungen zu unterstützen. Außerdem bietet es APIs, um beliebige Services einzubinden, die dann dem Entwickler bereitgestellt werden können. Neben WebSphere Liberty, Node.js und Ruby on Rails gibt es eine große Vielzahl an Erweiterungen aus der Open Source Community, so etwa PHP, Python, Go, MySQL, RabbitMQ und MemCache.

3. HP Helion

Die HP Helion Development Platform, vormals HP Cloud Services, setzt auf OpenStack und CloudFoundry auf. Dadurch will es HP seinen Cloud-Nutzern ermöglichen, zwischen verschiedenen HP-Services zu wechseln, etwa von der Private zur Public Cloud. Zudem sind die Kunden dann vom jeweiligen Anbieter unabhängig, denn sie erwerben ja keine Lizenzen. Helion soll es den Entwicklern erlauben, auf einer durchgängigen, interoperablen und skalierbaren Plattform cloud-native Apps zu entwickeln, zu testen und inklusive Provisionierung bereitzustellen. Dadurch soll der Workflow effizienter und produktiver werden. Die Interoperabilität ist für Hybrid Clouds von Bedeutung. Sicherheitsbelange sollen durch Mandantenfähigkeit und sichere App-Containers berücksichtigt werden. Zu den Helion-Partnern zählen u.a. Anbieter von Speicher-, Management- und Datenbanken-Lösungen. PaaS-Partner sind seit 2012 ActiveState, CloudBees, Corent Technology, CumuLogic, Engine Yard, Gigaspaces u.a.

4. IBM BlueMix

IBM BlueMix basiert ebenfalls auf CloudFoundry, aber nicht auf OpenStack. Bluemix ist eine IBM-originäre Umgebung, und darin bietet IBM mit seiner SmartCloud den gewohnten Stapel aus IaaS, PaaS und mandantenfähigem SaaS an, setzt aber noch einen drauf: Business Processes as a Service gehören zum Portfolio. Die PaaS bietet dem Nutzer Entwicklungswerkzeuge und Auslieferungsplattformen wie Runtimes, Middleware usw. Bluemix unterstützt „DevOps“ (= Developer Operations), also den Ansatz, der für Betrieb, Management und Kontrolle einer hochproduktiven Entwicklungsumgebung nötig ist. „Die zugehörigen Services bieten u.a. ein Code Repository, Work Item Management und eine Browser-basierte DIE“, erläutert Michael Behrendt von IBM. Ein Repository speichert und verwaltet sämtliche Artefakte eines Entwicklungsprojekts und stellt sie einem verteilten Team bereit.

5. Rackspace Cloud

Auf OpenStack aufsetzend bietet der Cloud-Veteran Rackspace die üblichen IaaS-Dienste an. Dazu gehört auch eine Big Data Plattform, die Hadoop unterstützt. Anwendungsentwickler können den LAMP-Stack, Windows und „Mobile Stacks“ nutzen, also Android usw. Eine PaaS wie bei HP oder IBM bietet RackSpace nicht.

6. vCloud Air Service

vCloud Air Service, vormalig Hybrid Cloud Services, stellt neben Compute-Services sowie Management und Networking drei wichtige Dienste bereit: Desktop as a Service, d.h. VMware Horizon; Disaster Recovery und schließlich die eigentliche PaaS, nämlich Pivotal CF, also CloudFoundry. Pivotal CF umfasst eine elastische Laufzeitumgebung, ein Steuerungszentrum für die IaaS und auf der PaaS-Ebene Hadoop, RabbitMQ sowie MySQL. Der Bonus sind allerdings die Mobile Services. Sie sollen die effiziente Entwicklung attraktiver mobiler Apps erlauben.

7. Amazon Web Services (AWS)

Unter der Rubrik „AWS-Lösungen“ finden sich IaaS-Dienste in den Bereichen Anwendungs-Hosting, Backup & Speicherung, Web-Anwendungen und High Performance Computing. Unter dem PaaS-Aspekt ist der neue Dienst Elastic Beanstalk interessant: Er dient der Bereitstellung und Verwaltung von Anwendungen. Im O-Ton Amazons hört sich das so an: „Sie laden Ihren Code einfach hoch und Elastic Beanstalk übernimmt automatisch die Bereitstellung – von der Kapazitätsbereitstellung, Lastverteilung und automatischen Skalierung bis zur Statusüberwachung der Anwendung.“ Das klingt ja ganz toll, aber ein Stirnrunzeln ruft wohl der Eintrag eines Befehlszeilen-Werkzeugs unter „Developer-Tools für Beanstalk“ hervor. Weitere Anwendungsdienste unterstützen Games-Streaming und Suche.

8. Apache CloudStack

Mit dem quelloffenen Apache CloudStack lassen sich IaaS-Dienste erzeugen und verwalten. Wichtig ist der Stapel durch die Unterstützung bedeutender Hypervisoren, der AWS und des Open Cloud Computing Interfaces.

9. Microsoft Azure

Azure bietet elf IaaS- und PaaS-Dienste, die der Nutzer kombinieren kann. Auf der PaaS-Ebene findet sich etwa die Datenbank SQL Server, die vormals SQL Azure hieß, und eine Search-Funktion. Im HD-Service lassen sich große Datenmengen mit einer Hadoop-Implementierung auswerten. Interessant sind die Biztalk Services, die der Integration von Enterprise und Cloud dienen, sowie die Online-Version der Entwicklungsumgebung Visual Studio. Mobile Services bilden das Backend für Mobil-Anwendungen, aber auch Web-Apps lassen sich erstellen. Als einziger Anbieter in dieser kleinen Auswahl bietet Microsoft einen Dienst für die Multi-Faktor-Authentifizierung an. Diese ist mittlerweile für viele Anwendungen im Finanzwesen und beim Abruf von Online-Rechnungen zumindest in Deutschland Standard.

10. Google AppEngine

Die AppEngine soll Entwicklern erlauben, ihre Applikation oder ihr neues Spiel auf einer skalierbaren Host-Infrastruktur zu entwickeln und zu testen. Der Developer verwendet Tools, die er jeweils kennt, darunter Eclipse, IntelliJ, Maven, Git, Jenkins und PyCharm. Python, Java, PHP (bislang als Preview) und Go (was Google als „experimental“ bezeichnet). Ähnlich wie bei BlueMix liegen entsprechende Steuerungs- und Konfigurationswerkzeuge bereit. Frameworks wie Django, Flask, Spring und webapp2 lassen sich nach Google-Angaben einbinden. Lokal soll der Developer mit sprachspezifischen SDKs entwickeln können. Wenn er seine Apps mit Compute Engine koppelt, soll er Technologien wie etwa Node.js, C++, Scala, Hadoop, MongoDB und Redis integrieren können. Wie stets bei einer Public Cloud sind Preise und Quoten zu beachten.

11. Salesforce Force.com & Salesforce1

Salesforce1 ist die nächste Entwicklungsform der altbekannten Plattform Force.com. Diese cloud-basierte Plattform zur Entwicklung von Websites, Workflows und Analysen soll Kunden helfen, ihr Unternehmen bzw. den Fachbereich mobil zu steuern. Daher sind Open-Source-Werkzeuge für die Entwicklung mobiler Unternehmens-Apps von zentraler Bedeutung. HTML5 wird ebenso unterstützt wie Android, iOS und verschiedene andere Tools, um Nativ- oder Hybrid-Apps zu erstellen.

12. SAP HANA Cloud Platform

SAP HANA Cloud Platform ist SAPs PaaS-Angebot, das die In-memory-Datenbank HANA und ihre Dienste umfasst. Zu den Diensten gehören selbstredend die der Datenbank (mit Speicher bis zu 1 TB), Infrastruktur-Services und schließlich App-Services für Mobile-, Analytic-, Collaboration- und Big-Data-Anwendungen. Damit sollen sich sowohl Cloud- als auch On-Premise-Anwendungen erweitern lassen. Der Kunde kann zwischen der auf 32 GB und 10 GB Bandbreite begrenzten Developer Edition und einer Production Instance wählen, deren Limits höher liegen. Lobenswert sind die klaren Aussagen schon auf der ersten Seite. Weitere App-Service-Infos findet man im SAP HANA Marketplace. Der Grundpreis liegt allerdings bei 3585 Euro pro Monat.

13. Oracle Cloud

Oracle betreibt alle Cloud Services selbst auf einer Infrastruktur, die auf der Exadata-Datenbank-Appliance und der Exalogic-Cluster-Appliance basiert. Die Services, die die Plattform bereitstellt, richten sich sowohl an Anwender als auch an Entwickler und Administratoren. Bei Oracles Cloud Platform Services geht es um Dienste für Entwickler einerseits und Datenbankspezialisten andererseits. Dazu gehören Database Services, die der Verwaltung von Daten und der Entwicklung von Database-Services mit der Oracle Datenbank dienen. Allerdings sind momentan erst die Schema Services sowie das Database Backup verfügbar. Weiter Java Services für die Entwicklung, Einführung und Verwaltung von Java Anwendungen mit Oracle WebLogic. Momentan ist aber nur die SaaS Extension erhältlich. Die Developer, Mobile, Documents und Business Intelligence Services schließlich existieren derzeit nur als Preview – genau wie zu Zeiten ihrer Ankündigung vor zwei Jahren.

14. Adobe Marketing Cloud

Im Unterschied zu allen anderen PaaS-Angeboten in dieser Übersicht umfasst die Adobe Marketing Cloud keine Entwicklerwerkzeuge, Datenbanklizenzen oder IaaS-Dienste. Vielmehr buchen Marketeer hier die sechs Services Analytics, Target, Social, Experience Manager, Media Optimizer und Campaign. „Die Visualisierung“, erläutert Marketingleiter Andreas Helios, „erfolgt auf Team-Ebene, etwa im Browser auf einem Mobilgerät, und zwar werden mit Hilfe von HTML5 geräteunabhängig jeweilige Versionen erzeugt.“ Wichtig ist die Collaboration in einem virtuellen Raum für ein Team, etwa für die Analytik.

Der PaaS-Markt – ein dynamisches Cloud-Segment

Mehr als nur eine Entwicklungsumgebung

Der PaaS-Markt – ein dynamisches Cloud-Segment

08.10.14 - Ob Infrastruktur, Applikationen oder Entwicklungswerkzeuge – alle diese Cloud-Services lassen sich heute bereits aus einer Platform as a Service (PaaS) beziehen. Nach Ansicht von Experten wird diese Cloud-Ebene sogar über den Erfolg von Industrie 4.0 und des Internet der Dinge entscheiden. Entsprechend hart ist der Kampf der Anbieter am Markt. lesen

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