6 Tipps für den Kulturwandel

DevOps richtig umgesetzt

| Autor / Redakteur: Brian Dawson * / Stephan Augsten

Bevor DevOps in der gesamten Organisation umgesetzt wird, sollte man zunächst einmal mit einem kleinen Team beginnen.
Bevor DevOps in der gesamten Organisation umgesetzt wird, sollte man zunächst einmal mit einem kleinen Team beginnen. (Bild: rawpixel - Pixabay.com / CC0)

Setzt man die Prinzipien von DevOps richtig und ganzheitlich um, kann es für Unternehmen zu einem wichtigen Katalysator werden. Geht man DevOps jedoch falsch an, kann sich dies kontraproduktiv auswirken und der Organisation teuer zu stehen kommen.

Zwei Dinge treffen grundsätzlich auf Software zu:

  • 1. Software ist ein echter Mehrwert für Unternehmen aller Größen. Sie hat großen Einfluss auf Arbeitsprozesse und hilft sogar dabei, völlig neue, App-basierte Geschäftsmodelle zu entwickeln.
  • 2. Unternehmen, die Software selbst entwickeln, setzen alles daran, diese so schnell und fehlerfrei wie möglich auf den Markt zu bringen. Dabei helfen gängige Praktiken wie Continuous Integration (CI), Continuous Delivery (CD) und die Kultur von DevOps.

Doch nicht alle Organisationen befolgen die Prinzipien dieser Praktiken. Viele Unternehmen glauben zwar, dass sie die Feinheiten von CI und CD verstehen und auch in der Praxis anwenden, bei genauerer Betrachtung ist dies jedoch nicht der Fall. Kann man davon auch bei DevOps-Strategien ausgehen? Bevor wir uns dieser Frage widmen, wollen wir zunächst einmal klären: Was meint DevOps genau?

DevOps definieren

Im Grunde sind DevOps, CI und CD als gleichwertige Bestandteile in der Software-Delivery anzusehen. Sie alle haben das Ziel, Prozesse zu rationalisieren und agiler zu gestalten. Doch gibt es Unterschiede:

  • Continuous Integration bezieht sich auf Prozesse wie automatisierte Builds und schnelle Änderungen auf der „linken Seite“ des Delivery-Prozesses.
  • Continuous Delivery hingegen umfasst Best Practices, die über die Pipeline bis hin zur Produktion gehen.
  • DevOps konzentriert sich letztendlich auf die organisatorischen Änderungen, die zur Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen den Bereichen erforderlich sind.

Allgemein betrachtet ist DevOps ein kultureller Begriff. DevOps erreicht man, wenn die Kultur in der Software-Entwicklung durch technische Praktiken unterstützt wird. Innerhalb einer DevOps-Kultur haben alle das gleiche Verständnis von Software-Entwicklung und streben gemeinsame Ziele an: Das kontinuierliche und schnelle Veröffentlichen von hochwertiger Software.

Selbst wenn Organisationen CI und CD richtig durchführen, kann DevOps dennoch auf der Strecke bleiben. Den kulturellen Wandel, der für DevOps notwendig ist, braucht es für die Continuous Integration und Delivery nicht zwingend. Andererseits jedoch, funktioniert DevOps nicht ohne die Bausteine CI und CD. Die Software-Ikone Jez Humble beispielsweise sagt, man könne DevOps-Prozesse mit einem Bash-Skript implementieren – denn DevOps schreibt keine einzelnen Komponenten vor. Um DevOps jedoch nachhaltig, wiederholbar und skalierbar zu machen, müssen sich Unternehmen zu CI und CD verpflichten.

Was zeichnet „gute“ Continuous Delivery aus?

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30.04.18 - Wer die Prinzipien von Continuous Integration befolgt, ist bereit für Continuous Delivery, kurz CD. Doch ähnlich wie bei der kontinuierlichen Integration glauben viele Unternehmen, dass sie mit CD viel besser zurechtkommen, als es in der Realität der Fall ist. lesen

DevOps – aber richtig

Es wurde viel darüber geschrieben, wie DevOps „richtig“ oder „falsch“ gemacht wird. Oft wird behauptet, dass erfolgreiche DevOps-Organisationen klar definierte DevOps-Strategien befolgen und Indikatoren einrichten, um zu erkennen, wenn etwas schief geht. Ein Kennzeichen schlechter DevOps-Implementierungen ist, dass sie keine Toleranz für Fehler aufweisen und Testprozesse erst sehr spät in die Implementierung einführen.

Die Bewertung von DevOps lässt auf die folgenden sechs Empfehlungen reduzieren:

1) Einen ganzheitlichen Prozess aufsetzen

Erfolgreiche DevOps-Kulturen konzentrieren sich sowohl auf das Geschäft, die Entwickler, die Tester und die Teams im IT-Betrieb. Alle arbeiten gemeinsam an einem Ziel. Sie entscheiden, wie man den Prozess startet, eine erfolgreiche Pipeline aufbaut, einen Auslieferungsprozess implementiert und die Ergebnisse misst.

2) Mit einem kleinen DevOps-Team beginnen

Bevor DevOps in der gesamten Organisation umgesetzt wird, muss es auf einer Mikroskala funktionieren. Erst dann soll sich die Transformation von unterster Ebene bis nach oben ausweiten, bei ständiger Akzeptanz und Unterstützung durch das Management. Dieses zu Beginn einer Implementierung zu überzeugen, kann schwierig und zeitaufwendig sein, aber ist notwendig, um eine unternehmensweite Transformation zu meistern. Dies wird sich sowohl auf Zeitpläne, Budgets als auch die gesamte Organisation auswirken.

3) Die Organisation frei von Silos machen

Nicht alle Unternehmen können organisatorische Silos beseitigen. Durch die Einbindung und Abstimmung aller Beteiligten in den Auslieferungsprozess können jedoch abteilungsübergreifend virtuelle (oder tatsächliche) Produktteams eingebunden und so die Auswirkungen von Unternehmenssilos reduziert werden. Dies wird dazu beitragen, Verständnis zwischen den verschiedenen Teams in der Organisation zu schaffen und eine Kultur der Zusammenarbeit und des Feedbacks zu fördern.

4) Die richtigen Personen einbeziehen

Zu viele Köche verderben den Brei – das ist auch bei DevOps so. Versucht man, die Meinung jedes einzelne Teams in die DevOps-Strategie einzubeziehen, so scheitert das Projekt schnell aufgrund der überwältigenden Komplexität. Um die Transformation zu DevOps schnell in Gang zu bringen, ist es am besten, den Umfang zu reduzieren und die erste Implementierung auf ein bis wenige Projekte zu konzentrieren. Wenn das funktioniert, kann DevOps Schritt für Schritt auf weitere Teams ausgeweitet werden.

Es empfiehlt sich, zunächst das Management und einen einzelnen Mitarbeiter aus jeder Abteilung zusammenzubringen. Sprich: einen Managementvertreter, einen Projektmanager, einen Entwicklungsleiter und einen operativen Entwickler. Einzelne Mitwirkende sind ein wichtiger Bestandteil, denn nur sie erkennen die Probleme wirklich und wissen, wie sie verbessert werden können. Außerdem schafft es die nötige Empathie und Akzeptanz vor Ort.

5) DevOps nicht als käuflich betrachten

Einige Organisationen gehen davon aus, dass sie eine Reihe von Tools kaufen können, die sie zu einer DevOps-Organisation machen. Das ist nicht richtig. Tools sind ein wichtiger Teil der Verbindung von Teams über Silos hinweg und ermöglichen die Automatisierung, die DevOps unterstützt. Doch Tools alleine lösen keine Probleme. Der Kulturwandel und die Einbindung von Continuous Integration und Continuous Delivery sind Aufgabe der Teams.

6) Den Fortschritt messen

Eine effektive DevOps-Kultur beinhaltet die Verpflichtung, Ergebnisse zu messen und über quantifizierbare Kennzahlen zu berichten. Um eine Delivery Pipeline aufrechtzuerhalten, muss der Fortschritt kontinuierlich mit den Zielen abgeglichen werden. Unzureichende Prozesse im Software-Deployment kennzeichnen sich oft durch erhebliche Überstunden. Deshalb müssen Arbeitsstunden stets gemessen werden – mit dem Ziel, Überstunden signifikant zu reduzieren.

Die Nachteile „schlechter“ DevOps-Umsetzung

DevOps falsch zu machen, hat Konsequenzen. In erster Linie sind das verpasste Chancen, denn der Markt bewegt sich schnell. Jedes Unternehmen hat mit Sicherheit mit einigen Wettbewerbern zu kämpfen, die DevOps bereits richtig einsetzen. Diese punkten mit Innovationen und gewinnen dadurch Vorteile auf dem Markt. Konzentrieren sich Unternehmen zu sehr auf eine fehlgeschlagene oder fehlgeleitete Implementierung von DevOps, ist mit erheblichen Opportunitätskosten zu rechnen.

Wie erreicht man Continuous Integration?

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25.04.18 - Viele Entwickler glaubten, dass sie Continuous Integration (CI) anwenden. Folgende Fragen müssten sie dann einfach beantworten können: Lässt sich ein Softwareproblem in weniger als zehn Minuten beheben? Befüllen sie die Haupt-Pipeline ihrer Organisation regelmäßig mit Builds? lesen

Intern kommt „schlechtes“ DevOps das Unternehmen ebenfalls teuer zu stehen: Scheitert eine DevOps-Initiative, sinkt die Motivation. IT-Führungskräfte können dann Schwierigkeiten haben, das Management von weiteren Projekten zu überzeugen. Und dann sind da noch die tatsächlichen Kosten: Die Investition in ein fehlerhaftes DevOps-Projekt verschwendet Geld, Zeit und Mitarbeiterressourcen, die anderswo hätten eingesetzt werden können.

Der Vorteil „guter“ DevOps-Strategien

Wird DevOps jedoch erfolgreich implementiert, bedeutet dies einen signifikanten Mehrwert in den folgenden Bereichen:

  • Zufriedenere Mitarbeiter - der Aufbau einer effizienten, engagierten DevOps-Organisation kann Unternehmen helfen, Top-Talente zu halten und zu rekrutieren.
  • Erhöhte Produktivität - weniger Zeitverlust in der Software-Entwicklung führt zu einem verbesserten Wert im Software-Stream.
  • Geschwindigkeit - die Fähigkeit, Innovationen schneller bereitzustellen und gleichzeitig die Qualität zu erhalten, verschafft Unternehmen einen enormen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt.

Fazit

Brian Dawson
Brian Dawson (Bild: CloudBees)

Um DevOps richtig zu leben, muss eine Organisation mehrere Brücken bauen, die Menschen, Prozesse, Tools und Unternehmensziele miteinander verbinden. Das ist harte Arbeit, die auf die Schnelle nicht machbar ist. Doch es ist möglich, wenn Organisationen sich verpflichten, eine wahre DevOps-Kultur zu schaffen -- das passiert nicht von einem Tag auf den anderen. Die Konzepte von Continuous Integration und Continuous Delivery können als wichtige Baustein dienen, um die Vision von DevOps im gesamten Unternehmen zu verwirklichen.

* Brian Dawson ist DevOps Evangelist bei CloudBees.

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