Agilität und Mainframe sind kein Widerspruch

DevOps-Prinzipien in vernetzten Mainframe-Umgebungen

| Autor / Redakteur: Thomas Keisel / Stephan Augsten

Agile Entwicklung und DevOps-Praktiken lassen sich durchaus auch auf in Mainframe-Umgebungen umsetzen.
Agile Entwicklung und DevOps-Praktiken lassen sich durchaus auch auf in Mainframe-Umgebungen umsetzen. (© vladimircaribb - stock.adobe.com)

Entgegen der landläufigen Meinung stehen Agilität und der DevOps-Ansatz nicht im Widerspruch zum Mainframe. Mit einem stufenweisen Vorgehen lassen sich die Vorteile agiler Konzepte auch für Mainframe-Anwendungen nutzen. Dieser Beitrag nennt zehn Schritte, die bei der Umsetzung helfen.

Die Zeiten der langsamen Software-Entwicklung nach dem Wasserfall-Prinzip sind vorbei. Unternehmen müssen ständig Neues ausprobieren, um mit den Anforderungen ihrer Kunden Schritt zu halten und dem Wettbewerb voraus zu sein. Auf dem Mainframe bedeutet das auch, sich mit Agilität und DevOps auseinanderzusetzen.

Die beiden Ansätze ermöglichen die nötige, schnelle Bereitstellung qualitativ hochwertiger Programme und Dienstleistungen für die immer stärker vernetzten Anwendungen von Großunternehmen, die sowohl Mainframe- als auch Nicht-Mainframe-Daten verarbeiten. Die folgenden Schritte zur Anwendung agiler Konzepte auf dem Mainframe tragen allesamt zum Erfolg von DevOps bei.

Der erste Punkt ist dabei für den Einstieg zweifelsohne am sinnvollsten, denn wenn man den Soll-Zustand definiert, fällt die Umsetzung von Teilzielen um einiges einfacher. Die übrigen Schritte können dann in der Reihenfolge angegangen werden, die dem Unternehmen am sinnvollsten erscheint.

1) Definition des angestrebten Zustands

Zuerst sollten Unternehmen die zu erreichenden Ziele für die Mainframe-Transformation festlegen. Diese hängen davon ab, in welchem Umfang sie bereits Strategien wie DevOps und Continuous Delivery auf anderen Plattformen einsetzen. In der Regel umfassen die Ziele:

  • Agilität, um den Mainframe-Code ständig verändern zu können
  • Vertrauen, dass der geänderte Mainframe-Code im Produktionsprozess wie erwartet funktioniert
  • Effiziente Arbeitsprozesse
  • Leichte Handhabung auch für weniger erfahrene Mainframe-Mitarbeiter
  • Integration von Mainframe- und Nicht-Mainframe-DevOps-Prozessen

Als Spezialist für Agilität und DevOps auf dem Mainframe kennt Compuware einige Bst Practices.
Als Spezialist für Agilität und DevOps auf dem Mainframe kennt Compuware einige Bst Practices. (Bild: Compuware)

2) Modernisierung der Mainframe-Entwicklungsumgebung

Die Mainframe-Entwicklungsumgebung sollte heute eine Eclipse-ähnliche Oberfläche besitzen. Dann können Mitarbeiter sie unabhängig von der eigenen Mainframe-Erfahrung nutzen. Zusätzlich sollten die Schnittstellen zahlreiche Entwicklungs-Tools unterstützen.

3) Einsatz von automatisierten Komponententests

Häufige Tests kleiner Code-Einheiten gewährleisten eine hohe Agilität der Entwicklung. Inzwischen lassen sich automatisierte Komponententests auch auf dem Mainframe realisieren. Doch Mainframe-Entwickler, die mit Tests kleiner Code-Einheiten nicht vertraut sind, müssen lernen, wie man sie am besten einsetzt. Weiterhin müssen DevOps-Leiter mit Hilfe von Kontrollfunktionen gewährleisten, dass das Unit-Testing erfolgreich abgeschlossen ist, bevor der Code freigegeben wird.

4) Grafische Darstellung von Code- und Daten-Strukturen

In der Regel wurden Mainframe-Anwendungen über viele Jahre hinweg immer wieder erweitert. Dadurch sind diese sehr groß und komplex geworden – bei oft mangelhafter Dokumentation. Deshalb müssen es Unternehmen neuen, jungen Mitarbeitern durch grafische Darstellung von Code- und Daten-Strukturen erleichtern, bestehende Applikationslogik, gegenseitige Abhängigkeiten von Programmen, Datenstrukturen und Datenbeziehungen zu erkennen.

Zudem sorgt das Unternehmen damit für ein besseres Verständnis des Laufzeitverhaltens von Anwendungen – einschließlich der Abfolge und Art aller Programmaufrufe, Datei- und Datenbank-I/Os. So können sich IT-Professionals schnell in unbekannte, komplexe Systeme einarbeiten.

5) Frühzeitige Erkennung von Qualitätsproblemen

Ein frühzeitiges Entdecken von Qualitätsproblemen ist besonders wichtig. Zum einen sind Mainframe-Anwendungen häufig mit Prozessen im Kerngeschäft verbunden, zum anderen arbeiten Entwickler mit geringer Mainframe-Erfahrung zunehmend in Mainframe-bezogenen Projekten, wodurch das Fehlerpotenzial steigt. Daher muss die Anwendungsqualität mit zunehmender Mainframe-Agilität genauestens mit Hilfe von KPIs überwacht werden.

6) Einarbeitung in agile Prozesse

Der Wechsel von groß angelegten Wasserfall-Projekten hin zu agilen Methoden stellt für die meisten Mainframe-Teams eine große Veränderung in Bezug auf ihre Arbeitskultur dar. Insbesondere technische Führungskräfte und Produktinhaber benötigen dazu detaillierte Schulungen und Coaching. Alle Team-Mitglieder sollten zumindest eine formelle Einführung in die Grundideen der Agilität erhalten, vor allem wenn sie Scrum oder Kanban Boards lesen sollen.

7) Operative Daten während des gesamten Zyklus

Damit Anwendungen optimal laufen, müssen Unternehmen verstehen, wie sich die Applikationen verhalten, wenn sie Rechenkapazität verbrauchen, auf Datenbanken zugreifen oder mit anderen Anwendungen interagieren. Dazu sind operative Daten durch den gesamten DevOps-Lebenszyklus hinweg effizient einzusetzen.

So erhalten Dev- und Ops-Teams ein gemeinsames Verständnis der Metriken und Charakteristika einer Anwendung. Dadurch ist jederzeit eine umfassende und genaue Messung des Fortschritts in Richtung Teamziele möglich. Zudem lassen sich unnötige Kosten durch ineffizienten Code vermeiden.

8) Source Code Management umstellen

Der Übergang von Wasserfall-basiertem zu agilem Source Code Management sollte sorgfältig geplant werden, um eine Unterbrechung laufender Arbeiten zu verhindern. Dann lassen sich Geschwindigkeit und Häufigkeit hinsichtlich der Bereitstellung von neuem Mainframe-Code erhöhen.

9) Automatisierte, intelligente Bereitstellung

Unternehmen müssen neuen Code schnell und zuverlässig produzieren. Daher sind alle nötigen Entwicklungswerkzeuge zu automatisieren und zu koordinieren. Außerdem müssen auch Bereitstellungsprobleme sofort erkannt werden, damit diese frühzeitig korrigiert werden können. Ist ein Problem nicht schnell zu beheben, muss ein automatisiertes Rollback-Verfahren rasch die Vorgängerversion bereitstellen.

10) Ständige plattformübergreifende Verfügbarkeit

Mainframe-Anwendungen und -Daten werden zunehmend als Back-End-Ressource für plattformunabhängige Kunden- und Mitarbeiter-Anwendungen genutzt, die mobile, Web- und Cloud-basierte Komponenten beinhalten. DevOps-Teams müssen daher die Bereitstellung von neuem, genehmigtem Code über alle Plattformen hinweg synchronisieren können.

Erfolgreiche Mainframe-Transformation

Thomas Keisel
Thomas Keisel (Bild: Compuware Software Group)

Mainframe-Agilität lässt sich nicht über Nacht erreichen. Das sollte nicht einmal versucht werden. Denn Unternehmen wollen nicht die hohe Stabilität und Zuverlässigkeit beeinträchtigen, die sie im Laufe der Jahre bei Mainframe-Entwicklung, -Tests und -Betrieb aufgebaut haben.

Der effektivste Weg, um Mainframe-Agilität zu erhalten, ist daher ein schrittweises, bedächtiges Vorgehen. Damit lassen sich Störungen vermeiden und Risiken minimieren, um auf sichere Weise die gesteckten Ziele zu erreichen.

* Thomas Keisel ist Vice President, Central und Eastern Europe bei Compuware.

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