Applikations-(weiter-)Entwicklung

DevOps – Modewort oder Impulsgeber?

| Autor / Redakteur: Justin Vaughan-Brown * / Elke Witmer-Goßner

DevOps ist nicht ein Trendthema, bietet die Methode den Unternehmen doch einen hohen Mehrwert in der applikationsgetriebenen Wirtschaftswelt.
DevOps ist nicht ein Trendthema, bietet die Methode den Unternehmen doch einen hohen Mehrwert in der applikationsgetriebenen Wirtschaftswelt. (Bild: Francisco Arlindo Alves & Rodrigo Silveira - flickr.com / CC0)

DevOps liegt derzeit im Trend und wird heiß diskutiert – Meinungen und Ratschläge dazu häufen sich. Untersuchungen zeigen: DevOps ist nahezu unverzichtbar, wenn man mit den Kundenerwartungen Schritt halten will.

Der Begriff DevOps lässt sich am besten als eine enge Zusammenarbeit zwischen IT-Entwicklung und Operations, dem laufenden Geschäftsbetrieb, erklären. Vorrangiges Ziel ist es, gemeinsam schnell und kontinuierlich neue Applikationsversionen zur Verbesserung von Kundenerlebnissen zu entwickeln und zu liefern.

Ein weiterer Punkt, den DevOps neben der engen Zusammenarbeit der bislang autark arbeitenden Teams adressiert, ist die Automatisierung von Prozessen und Abläufen. Darüber hinaus gilt es, alle Stufen des Entwicklungs-, Test- und Bereitstellungsprozesses messbar zu machen – beispielsweise die Entwicklung von Fehlerhäufigkeiten in den unterschiedlichen Entwicklungsschritten. Lean-Management-Prinzipien sowie das Teilen von und die Diskussion über (Test-) Ergebnisse gehören ebenfalls zu einer erfolgreichen DevOps Einführung.

Gewinnt DevOps also an Tempo? Während die Ergebnisse der ersten DevOps-Studie von CA Technologies im Jahr 2013 bereits sehr aufschlussreich waren, zeigt die Wiederholung der Studie ein Jahr später: 88 Prozent der 1.425 befragten IT- und Fachbereichsleiter haben bereits oder planen DevOps innerhalb der nächsten fünf Jahre zu integrieren – in der Studie von 2013 waren es noch 66 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Einführung von DevOps enorm wichtig ist, um mit den Kundenerwartungen Schritt zu halten. 42 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass eine höhere Qualität und Leistung der Applikationen unerlässlich ist und die Nachfrage nach DevOps antreibt. 34 Prozent erklärten direkt, dass so das Kundenerlebnis verbessert werden soll. Insgesamt adressieren diese Punkte die gleiche Anforderung – sicherzustellen, dass die Applikationen eines Unternehmens performant, einfach anzuwenden und in die jeweilige Umgebung integriert sind. Ein weiteres wichtiges Kriterium: Sie müssen den Nutzer individuell ansprechen.

Aber DevOps muss auch einen Mehrwert schaffen. Eine Nielsen Studie ergab, dass die durchschnittliche Zeit der App-Nutzung im Monat zwischen 2011 und 2014 von etwa 18 Stunden auf über 30 Stunden anstieg – ganz im Gegenteil zur Anzahl der genutzten Apps: Diese stieg lediglich von 23,3 auf 26,8. Der Wettbewerb findet daher nicht nur zwischen den einzelnen Unternehmen statt – es ist vielmehr ein Wettkampf um die Applikation selber.

In den Studienergebnissen von 2013 stand die bessere Zusammenarbeit zwischen den beiden Teams, Entwicklung und Operations klar im Vordergrund. Dieses Mal ist es nur für ein Viertel der Befragten treibende Kraft. Eine verbesserte Teamarbeit ist zwar nach wie vor wichtig, allerdings liegt der Fokus jetzt darauf wie Kunden durch Applikationen mit der Marke interagieren.

Das besondere Kundenerlebnis

Kunden erwarten heute ein optimiertes Benutzererlebnis, unabhängig von Gerät, Plattform oder Standort. Sie wollen als Individuum behandelt werden, mit ihren persönlichen Vorlieben und ihre Kaufhistorie sollen bekannt sein: Dazu gehören frühere Kundeninteraktionen (zum Beispiel der Einkauf in einem Geschäft) sollen erkannt werden, auch wenn die Kommunikation über einen anderen Kanal stattfindet, beispielsweise über ein mobiles Gerät. Der vielleicht wichtigste Punkt für die Nutzer: Die Gewissheit, dass ihre Daten nicht mit Dritten geteilt werden oder dass Hacker darauf zugreifen können.

Hier kommt DevOps ins Spiel, da jede dieser Anforderungen durch eine Kombination aus Schnelligkeit und Qualität adressiert wird. Was „nur eine App“ zu sein scheint, besteht eigentlich aus mehreren Anwendungs-, Analytik- und Business-Logik-Ebenen, die der App erst eine entsprechende Bandbreite und Tiefe geben.

Die Entwicklung einer Anwendung, die problemlos von verschiedenen Geräten und Plattformen genutzt werden kann, ist keine leichte Aufgabe: Teams sollen das Kundenerlebnis optimieren durch Minimierung des Zeitraums zwischen der Fehlererkennung und deren Behebung (Bugfixes) liegt. Zudem müssen von Kunden gewünschte Erweiterungen schnell umgesetzt werden. Die Unterschiede zwischen dem Kundenverhalten im Geschäft und dem Erlebnis über Webseiten und Apps sind ebenfalls enorm wichtig.

Feedback bringt Verbesserung

Eine Applikation auf den Markt zu bringen, ist die eine Sache – die andere ist, wie Kunden mit diesen Anwendungen interagieren. MeetUps, DevOps Days und andere Social-DevOps-Veranstaltungen beschäftigen sich primär mit dem Erstellen, der Konfiguration, der Versionierung und anderen Diskussionen rund um verwendete Werkzeuge. Die Teilnehmer der Vanson-Bourne-Umfrage nannten jedoch Application Performance Monitoring (APM) als wichtigstes DevOps Tool (38 Prozent), dicht gefolgt von Leistungstests (37 Prozent).

Denn Unternehmen möchten von den Anwendern eine Rückmeldung erhalten. Der Grund: Nur so können sie gewährleisten, dass die nächste Version das Kundenerlebnis verbessert – und durch ein Continous Delivery Modell auch kleinste Änderungen schnell umsetzen. Gibt es Ausfälle, Verzögerungen, eingefrorene Bildschirme und Probleme mit den persönlichen Daten, spricht dies auf Seiten des Anwenders gegen die wiederholte Nutzung einer Applikation.

DevOps kann entscheidend dafür sein, dass ein Unternehmen Vorteile aus einer optimierten Beziehung zwischen Kunden und Unternehmen zieht. Die Leistung von Unternehmen in der Application Economy wird maßgeblich davon bestimmt, wie sie mit der immer schnelleren Einführung von Technologien umgehen. Das Internet der Dinge (IoT) ist hier das beste Beispiel.

Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt. Eine CIO-Studie von Deloitte aus dem Jahr 2014 zeigt, dass 47 Prozent der Befragten digitale bzw. Multi-Channel-Initiativen getestet, implementiert und angewendet haben, nur ein Prozent weniger als diejenigen mit Analytik- bzw. Big Data-Programmen. Die Tatsache, dass digital als Thematik in der CIO-Studio von 2013 nicht erwähnt wird, gibt den Ergebnissen eine größere Bedeutung.

Die IT als Wettbewerbsfaktor

Die digitale Transformation stellt Unternehmen insgesamt vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Eine schnelle Markteinführung ist hier wichtiger als moderate Kosteneinsparungen. Die IT-Abteilung eines Unternehmens wurde über Jahre hinweg nur als Kostenstelle und nicht als Umsatzgenerator betrachtet. Diese Einstellung hat sich in den vergangenen 15 Jahren verändert. Mit der Application Economy ist die IT zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Besonders wichtig ist hier eine erstklassige Software Delivery Engine.

Alles ist vernetzt – jeder neue Geschäftspartner bedeutet eine neue Abhängigkeit. So erwartet ein Treueclub-Mitglied zum Beispiel einen nahtlosen Übergang zwischen seinem eigenen Account und dem Prämien-Katalog, der möglicherweise an Dritte ausgelagert ist. Eine Reihe von Hotelketten hat bereits ein solches Modell implementiert. Dem Kunden ist dies egal, denn für ihn bleibt es eine Interaktion mit dem Unternehmen.

Eine solche einheitliche Erfahrung kann signifikante Integrations- und Sicherheitsherausforderungen hinter den Kulissen bedeuten. Einblicke in die Leistung einer Anwendung sind wichtiger als je zuvor. Die aktuelle ‚Black Friday‘-Berichterstattung (einem der wichtigsten Tage für Online- wie reale Geschäfte in den Vereinigten Staaten am Tag nach Thanksgiving) macht deutlich, welche Herausforderung Boom-Zeiten für Online-Einkäufe darstellt – reihenweise brachen Server zusammen, die dem Ansturm aufgrund der Bandbreite nicht standhielten.

Die hohe Nachfrage ist nur ein Teil des Problems, ein weiteres ist das Plattform-Thema. Wie kann ein Unternehmen sicherstellen, dass sowohl Android als auch iOS und Blackberry Nutzer das gleiche Qualitätserlebnis haben – egal ob diese über ein freies WLAN in einem Café oder über Daten Roaming zugreifen?

Digitale Transformation zwingt zur Zusammenarbeit

Was haben alle oben genannten Punkte gemeinsam? Der Software Delivery Lifecycle (SDLC) spielt bei der erfolgreichen Umsetzung dieser Themen eine zentrale Rolle: der Zeitraum von der Idee bis hin zu Umsatzgenerierung, der API Integration sowie zu einem reduzierten Risiko im Hinblick auf die Anwendungsleistung.

Viele Software-Entwicklungsprozesse in Unternehmen, unterstützende Technologien und Mitarbeiteranreize oder Verhaltensweisen wurden unter anderen Voraussetzungen konzipiert. Zu den Veränderungen gehören beispielsweise die heutigen Anforderungen nach einer kontinuierlichen Auslieferung, die vom Anwender erwartete Zero-Defect-Leistung sowie die kontinuierliche Interaktion über einen Kanal (wie eine Tablet-App) mit einem anderen Kanal (beispielsweise im Geschäft).

Justin Vaughan-Brown, CA Technologies.
Justin Vaughan-Brown, CA Technologies. (Foto: CA)

Um den Weg der digitalen Transformation erfolgreich zu realisieren, sind zahlreiche Komponenten erforderlich: Diese reichen von der Überprüfung des SDLC bis hin zur Einschätzung, wie Agile als Entwicklungsmethodik Prozesse beeinflusst.

Die Zusammenarbeit innerhalb der DevOps-Teams bricht darüber hinaus die traditionell isoliert arbeitenden Abteilungen auf und fokussiert sich darauf, wie eine kontinuierliche Auslieferung hochwertiger Anwendungen gewährleistet werden kann. Die heutigen Digital Leaders müssen alle diese Variablen im Blick haben, um neue Einnahmequellen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Nur so lassen sich die Vorteile aus unserer zunehmend vernetzten Welt nutzen.

* Der Autor Justin Vaughan-Brown ist Senior Market Strategist Application Delivery bei CA Technologies.

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