Microsoft Windows 11 Das Windows für die Smartphone-Generation

Autor: Klaus Länger

Mit Windows 11 passt Microsoft das Betriebssystem optisch und funktional an die Erwartungen von Smartphone-Usern an, bis hin zur Emulation von Android-Apps und einem erweiterten App-Store. Unter der Haube bleibt es aber kompatibel zu Windows 10.

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Keine Kacheln mehr: Windows 11 besitzt ein zentrales Startmenü mit Icons und Links zu den zuletzt geöffneten Dateien. Die neue Oberfläche erinnert an Android oder ChromeOS, hat aber auch Anklänge an Windows 7.
Keine Kacheln mehr: Windows 11 besitzt ein zentrales Startmenü mit Icons und Links zu den zuletzt geöffneten Dateien. Die neue Oberfläche erinnert an Android oder ChromeOS, hat aber auch Anklänge an Windows 7.
(Bild: Microsoft)

Windows 10 ist nun doch nicht das „letzte Windows”, wie Microsoft es bei der Vorstellung vor knapp sechs Jahren noch bezeichnet hatte. Denn nun gibt es doch ein Windows 11, das laut Microsoft-CEO Satya Nadella „die erste Version einer neuen Ära von Windows ist”, an der seine Firma für das kommende Jahrzehnt und danach arbeiten werde.

Bei der Oberfläche hat sich Windows 11 nun endgültig von der seinerzeit mit Windows 8 eingeführten kantigen Kacheloptik verabschiedet. Es gibt keine Live-Tiles mehr im Startmenü und auch die Fensterecken sind wie einst bei Windows 7 wieder abgerundet. Das Startmenü ist schon aus der Vorstellung von Windows 10X bekannt, das Microsoft zuerst für Dual-Display-Notebooks vorgesehen hatte und dann zum ChromeOS-Konkurrenten aufbauen wollte. Es erscheint nun in der Mitte der Taskleiste, kann aber auf Wunsch auch wie gewohnt nach links rücken. In der oberen Hälfte erscheinen die Icons angepinnter oder häufig genutzter Anwendungen. In der unteren Hälfte liegen Links zu den zuletzt verwendeten Dateien. Dabei werden nicht nur lokale Dateien aufgelistet, sondern auch solche in der Cloud oder auf mit Windows 11 verbundenen Android- oder iOS-Geräten.

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Die aus Windows 10 bekannten Icon-Gruppen, die auf einen Klick aufklappen, gibt es in der neuen Oberfläche nicht mehr. Dafür aber mehr Transparenzeffekte und eine weiterentwickelte Snap-Funktion für die Anordnung von Fenstern auf dem Windows-Desktop. Für die gibt es nun vordefinierte Layouts, die über die Titelleiste der Fenster erreichbar sind. So lassen sich mehrere Fenster übersichtlich neben- und untereinander platzieren. Eine ähnliche Funktion bieten unter Windows 10 auch diverse Tools. Bei Windows 11 merkt sich das Betriebssystem aber die Anordnung der Fenster in Form von Snap-Gruppen und kann diese wiederherstellen, wenn man zwischendurch ein anderes Programm genutzt hat. Diese Funktion funktioniert sogar bei einem Notebook mit zusätzlichem externen Monitor, wenn dieser zwischendurch abgedockt war. Die schon unter Windows 10 vorhandenen Funktion für zusätzlichen Desktops wird unter Windows 11 prominenter angeboten und einfacher nutzbar. So können sich die User auf ihrem Rechner unterschiedliche Arbeitsbereiche für Homeoffice-Anwendungen, private Software oder Spiele anlegen, die dann auch mit individuellen Farbeinstellungen und Hintergrundbildern versehen sind. Microsoft sieht hier einen Vorteil gerade für die weiter an Boden gewinnende hybride Arbeitswelt.

Teams, Widgets und Android

Microsoft Teams ist nun von Haus aus in Windows 11 integriert und über die Taskleiste aufrufbar. Funktionen wie Stummschalten oder das Teilen des Desktops sind nun schneller direkt über die Taskleiste zugänglich. Für die Kommunikation via Chat mit Nutzern, die kein Teams verwenden, wird 2-Wege-SMS genutzt.

Der in Windows 10 kürzlich in die Taskleiste integrierte Newsfeed mit Wetteranzeige findet sich in Windows 11 als Widget im Stil von Android auf dem Desktop wieder. Es nutzt KI-Funktionen für die Auswahl der kuratierten News und soll auch externen Anbietern wie Verlagen die Möglichkeit eröffnen, personalisierte Inhalte an die User zu liefern. Im Gegensatz zu Windows 10 ist das Widget bei Windows 11 allerdings in der Größe skalierbar.

Zusätzlich führt Windows 11 Android-Apps direkt per Emulation aus und nicht mehr nur als Remote-Zugriff wie derzeit mit bestimmten Samsung-Smartphones. Passende Apps für den Android-Emulator können im Microsoft Store gesucht und dann über den Amazon App-Store bezogen werden. Microsoft arbeitet dabei mit Amazon zusammen und nutzt dessen für die Fire-Geräte geschaffenen App-Store als Quelle für Android-Apps. Damit ist die Auswahl zwar kleiner als in Google Play, aber Microsoft musste immerhin nicht selbst eine entsprechende Infrastruktur aufbauen.

Generell soll der Store schneller und übersichtlicher werden als bisher. Und er wird offener, schließlich nimmt er nun auch herkömmliche Windows-Anwendungen auf, die nicht speziell in eine App gepackt sind, etwa Microsoft Teams und Visual Studio. Die unterstützten Softwaretypen sind Win32, .NET, UWP, Xamarin, Electron, React Native, Java und sogar Progressive Web Apps.Zusätzlich können Softwareanbieter ihre Programme über den Store anbieten, ohne Gebühren an Microsoft abführen zu müssen, solange sie die Software über eine eigene Infrastruktur ausliefern und abrechnen. Das dürfte den Store für Softwareanbieter attraktiver machen. Laut Microsoft werden Disney+, Adobe Creative Cloud, Zoom und Canva bald verfügbar sein. Dennoch werden alle im Store erhältlichen Apps vor der Bereitstellung auf Sicherheit und Familienfreundlichkeit überprüft.

Für Entwickler soll die als Project Reunion bekannte Windows App SDK die Möglichkeit eröffnen, Windows-11-Features in ihre Software zu integrieren, sie aber trotzdem komplett kompatibel zu Windows 10 zu halten. Das ARM64 Emulation Compatible Tool soll es unter Windows 11 möglich machen, nativen ARM- und emulierten x64-Code in einer Anwendung zu mischen.

Neue Funktionen für Gamer

Generell soll Windows 11 auf derselben Hardware schneller laufen und schneller starten als Windows 10. Für Gamer integriert Microsoft mit DirectStorage eine zusätzliche Funktion, die es bisher nur auf der neuen XBox gab. Bei Rechnern mit einer modernen Grafikkarte und einer NVMe-SSD können bei Spielen nun Daten wie beispielsweise Texturen direkt in den Speicher der Grafikkarte geladen werden, was die Ladezeiten verkürzen soll. Zudem wird bei HDR-fähigen Displays eine Funktion namens Auto HDR genutzt, um auf Spielen ohne HDR-Unterstützung lebendigere Farben und stärkere Kontraste darzustellen.

Die XBox-App als Zugang zum Spiele-Abo Xbox Game Pass für PC ist nun vorinstalliert. In der Ultimate-Variante des Abos ist zusätzlich XBox Cloud Gaming enthalten, um auch auf langsamen Rechnern aktuelle Spiele genießen zu können, wenn eine schnelle Internetanbindung vorhanden ist. Allerdings gehört eine DirectX12-fähige GPU generell zu den Hardwareanforderungen der neuen Windows-Version.

Besser auf 2-in-1-Geräten

Nutzer von 2-in-1-Rechnern sollen ebenfalls mit Windows 11 glücklich werden, auch wenn es keinen expliziten Tablet-Modus mehr gibt. Denn unter Windows 11 passt sich die Oberfläche subtil an die Touch-Nutzung an: Icons und Buttons rücken auseinander, Fensterrahmen lassen sich einfacher mit dem Finger „anfassen”. Hinzu kommen ferner eine Spracherkennung mit automatischer Interpunktion und ein akustisches und sogar haptisches Feedback bei Stiftbedienung. Letzteres natürlich nur, wenn eine entsprechende Hardware für Vibrationseffekte eingebaut ist.

Sicherheit und Upgrademöglichkeiten

Laut Microsoft soll Windows 11 durch die Nutzung aller Sicherheitsfunktionen moderner Prozessoren resistenter gegen Angriffe sein, als Windows 10. Der Softwarehersteller spricht hier von der Durchsetzung eines Zero-Trust-Modells. Von den für Windows 10X vorgesehen Containern für herkömmliche x64-Applikationen war in der Präsentation allerdings nicht die Rede. Mit den zusätzlichen Sicherheitsfunktionen steigen aber auch die Anforderungen an die Hardware, auf der Windows 11 lauffähig sein soll: Ohne TPM 2.0 sowie ein UEFI-BIOS mit aktiviertem Secure Boot lässt sich Windows 11 nicht installieren. Ohne diese Voraussetzungen ist auch kein Update von Windows 10 aus möglich. Dass nun mindestens 4 GB RAM vorhanden sein müssen und es keine 32-Bit-Version von Windows 11 gibt, fällt dagegen weniger ins Gewicht.

Wichtig für alle User, die nicht auf Windows 11 upgraden können oder wollen: Die Unterstützung von Windows 10 soll noch bis Oktober 2025 weiterlaufen. Wie es dabei künftig mit Feature-Updates aussehen wird, wollte Microsoft nicht verraten.

Für Privatanwender ist der Umstieg laut Microsoft von einem legalen Windows 10 auf Windows 11 kostenlos möglich. Der Umstieg selbst soll dabei nicht komplizierter sein, wie ein bisheriges Windows-10-Versionsupgrade. Für Firmenkunden gelten die üblichen Upgrade-Regeln anhängig von der genutzten Lizenz. Für das Ausrollen und Management von Windows 11 sollen sich die üblichen Werkzeuge wie der Microsoft Endpoint Manager, Cloud Configuration, Windows Update for Business oder Autopilot nutzen lassen. Mit dem Dienst App Assure und Test Base für Microsoft 365 können Unternehmen prüfen, ob ihre eigenen Applikationen problemlos lauffähig sind. Zudem bietet Microsoft Windows 11 für einen Testlauf auch über den Azure Virtual Desktop an.

Als Starttermin für Windows 11 peilt Microsoft den Herbst an. Windows Insider bekommen erste Windows-11-Builds in Kürze, allerdings zunächst noch ohne alle neuen Funktionen und abhängig vom gewählten Insider-Channel.

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