Interview mit dem neuen DACH-Chef von Unit4, Alexander Gewiese Cloud-natives ERP soll den Mittelstand überzeugen

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Unit4 ist angetreten, mit einem neu entwickelten, Cloud-nativen Enterprise Ressource Planning (ERP)-System Neukunden in der DACH-Region zu gewinnen. Wie das gehen soll, verrät der designierte neue Chef Alexander Gewiese im Gespräch mit CloudComputing-Insider.

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Unit4 ist angetreten, mit einem neu entwickelten, Cloud-nativen ERP-System Neukunden in der DACH-Region zu gewinnen.
Unit4 ist angetreten, mit einem neu entwickelten, Cloud-nativen ERP-System Neukunden in der DACH-Region zu gewinnen.
(Bild: gemeinfrei© Peggy Marco / Pixabay )

Er ist so brandneu in seinem Job, dass er noch gar nicht offiziell bestätigt wurde: Alexander Gewiese wird ab 1. Oktober das DACH-Geschäft des ERP-Anbieters Unit4 verantworten, nachdem er dem Unternehmen bereits seit 2009 in verschiedenen Positionen gedient hat. Dabei kommt in zu pass, dass die neueste Entwicklung von Unit4 „ERPx“ als Cloud-natives Enterprise Ressource Planning angelegt und entwickelt wurde.

ERPx kommt aus der Cloud für die Cloud

„Wir blicken als Unit4 auf 40 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung zurück und haben viele Trends kommen und gehen sehen. Die Evolution der Software hat uns nun in die Cloud geführt. Für sie und in ihr haben wir ERPx entwickelt“, so Gewiese im Gespräch mit CloudComputing-Insider. „Es bietet branchenspezifische Funktionen insbesondere für Professional Services, Nonprofit-Organisationen, den Öffentlichen Sektor, Hochschulen und nicht zuletzt für mittelständische Unternehmen. Es vereinheitlicht einer Vielzahl von Unternehmensprozesse wie Finanzen, HR, Projektmanagement sowie Beschaffung und ist angepasst für alle Länder, in denen wir aktiv sind.“

Alexander Gewiese wird ab 1. Oktober das DACH-Geschäft des ERP-Anbieters Unit4 leiten.
Alexander Gewiese wird ab 1. Oktober das DACH-Geschäft des ERP-Anbieters Unit4 leiten.
(Bild: Unit4)

Für Gewiese ist zudem die nutzbare Benutzeroberfläche erwähnenswert. Sie offeriert „10-Sekunden-Interaktionen“, natürliche Sprache, Integration mit Slack/Teams/Outlook und Self-Composing Apps. Bei Unit4 steht ERP aber nicht nur für „Enterprise Resource Planning“, sondern auch für „Experience Real Purpose“ – der Kunde soll es durch den Einsatz der Lösung einfacher haben. Dabei hilft maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI), nicht zuletzt, um im Unternehmenskontext eine umfassende Service-Automatisierung zu ermöglichen. Durch den Wegfall sich wiederholender Tätigkeiten haben die Mitarbeiter mehr Zeit, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.

ERPx lässt sich mit einer Vielzahl spezialisierter Drittanbieter-APIs integrieren. Benutzer müssen nicht mehr durch 20 verschiedene Felder mit formularbasierten Dateneingaben navigieren, um die gewünschten Informationen oder Ergebnisse zu erhalten. Stattdessen wird ihnen die Möglichkeit gegeben, einfache Fragen zu stellen, die das System dann in Echtzeit für sie verarbeiten kann.

Das Unit4 Extension Kit enthält eine Low-Code-/No-Code-Plattform

Als technologischen Durchbruch bezeichnet Gewiese das Unit4 Extension Kit, eine Low-Code-/No-Code-Plattform. Die Idee dahinter: Unternehmensanwendungen müssen eng miteinander verzahnt sein. Neben dem ERP haben die Anwender für gewöhnlich noch ein CRM-System im Einsatz sowie eine Personalmanagement-Software und Kollaborationswerkzeuge wie Teams oder Slack. All diese Lösungen müssen aufeinander abgestimmt sein – und mit dem Unit4 Extension Kit soll dies auch von Personen durchgeführt werden können, die keine Programmierkenntnisse besitzen.

Bei allen Vorzügen, die neue Technologien mit sich bringen, ist es Gewiese aber wichtig, den Menschen als Anwender nicht aus den Augen zu verlieren. „Der Mensch bleibt bei unseren Betrachtungen im Mittelpunkt. Auch wenn ERPx neu entwickelt worden ist, bleiben wesentliche Elemente etwa für die Buchhaltung erhalten. „Rechnungen müssen korrekt sein und bekannte Abläufe stabil beibehalten werden, um die Anwenderzufriedenheit aufrecht zu erhalten oder nach Möglichkeit sogar zu verbessern“, so der designierte Geschäftsführer.

Zielgruppe: Mittelstand und Öffentliche Verwaltung

Die erklärte Zielgruppe von Unit4 ist allen voran der Mittelstand, in der DACH-Region. Hier wären als Referenzkunden etwa Adesso, Materna oder auch Villeroy & Boch zu nennen. Dazu kommen Städte und Gemeinden sowie die öffentliche Verwaltung allgemein, aber auch Non-Profit-Organisationen.

„Blicken wir auf den deutschen Mittelstand, so sitzen aktuell etwa 60 Prozent an der digitalen Transformation“, so Gewiese. „Bei der Einführung entsprechender Tools und Anwendungen hören wir immer wieder drei Haupt-Bedenken, nämlich Angst vor überbordender Komplexität, Kostendruck sowie bezüglich der Sicherheit. Dem begegnen wir dadurch, dass wir Aufklärungsarbeit in Sachen Software-as-a-Service betreiben.“

Es genüge nämlich nicht, ein bestehendes ERP-System per „lift and shift“ in die Cloud zu heben. Dabei verbleibt die Verantwortung für Wartung und Updates beim Anwender. Echtes SaaS dagegen verlagert die Verantwortung auf den Anbieter, neue Software wird automatisch eingespielt. So erhält der Anwender viel freie Zeit, um sich um sein eigentliches Business zu kümmern. „Auch das Thema Ausfallsicherheit wird damit adressiert, ein Thema, das unsere Kunden immer mehr umtreibt“, so Gewiese.

Unit4 in der DACH-Region

Unit 4 bedient weltweit vier Regionen: Amerika, Asien-Pazifik, UK und Irland sowie Festland-Europa. Der Hauptsitz für die DACH-Region ist in München. Mit knapp 200 Mitarbeitern bedient man die Bereiche Dienstleistungen, Vertrieb, Marketing und Support.

Als künftiger DACH-Manager will Gewiese seinen Schwerpunkt auf drei Bereiche legen. Zum einen auf Innovationen, was mit einer neuen Anwendung wie ERPx kein Kunststück ist. Dann liegt ihm am Herzen, dass das angebotene ERP „smart“ ist und neuste Entwicklungen wie Microservices oder Künstliche Intelligenz (KI) mit einbezieht. Und schließlich will er das dezentrale Arbeiten fördern, und zwar „auch über die Zeit der Corona-Maßnahmen hinaus.“

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Dr. Dietmar Müller

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