Zukunftsfähig vernetzt API-Management ohne Code

Ein Gastbeitrag von Dipl. Wirtschaftsingenieur Thorsten Winternheimer *

Immer mehr Firmen setzen bei automatisierter Datenverarbeitung und API-Management auf SaaS-Angebote. Insbesondere mit Plattformen, die auf No-Code und Low-Code basieren, sollen die Prozesse im Backoffice einfach digital abgebildet und damit beschleunigt werden. Dass das Potenzial dieser Idee damit längst nicht ausgeschöpft ist, zeigt die Anwendung von No-Code als Middleware.

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Der Einsatz von No-Code als Middleware hat verschiedene Vorzüge.
Der Einsatz von No-Code als Middleware hat verschiedene Vorzüge.
(Bild: Pexels / Pixabay )

Was früher noch wuchtige Aktenordner waren, sind heute ellenlange Excel-Tabellen und CSV-Dateien: Eine längst veraltete Form der Datenverarbeitung, die aber viel zu oft noch gängige Praxis ist. Händisch werden Daten eingetragen, überführt und in andere Dateien eingefügt. Diese Vorgehensweise ist längst nicht ausgestorben und bietet besonders bei größeren Unternehmen ein erhebliches Schadenpotential, beispielsweise wenn Versicherer ihre PDF-Berichte an die BaFin darauf aufbauen und beim Copy and Paste Fehler entstehen.

Dass dieses Vorgehen alles andere als optimal ist, ist allgemein bekannt, genau wie das leidliche Thema der schleppenden Digitalisierung. Die oft genannten Gründe Fachkräftemangel, fehlendes Budget oder mangelhaftes Know-how in puncto Software-Entwicklung sind allerdings längst keine Entschuldigung mehr, sich nicht auf der letzten, sondern auf der vorletzten Entwicklungsstufe der elektronischen Datenverarbeitung aufzuhalten. Schließlich gibt es bereits Lösungen auf dem Markt, die das meiste davon egalisieren können.

API ist nicht gleich API

Zum allgemeinen Standard hat sich schon vor einiger Zeit ein auf Programmierschnittstellen (API) basiertes Datenmanagement entwickelt. Auch hier gibt es Unterschiede, denn API ist nicht gleich API. Programmierschnittstellen nach den tradierten EDI/EDIFACT- und XML-Standards bieten eine Möglichkeit der nächsten Entwicklungsstufe. Allerdings sind sie nicht unkompliziert in der Handhabung und Anbindung, sodass dafür teure und schlecht verfügbare Spezialisten notwendig sind. Will man dem entgehen, sind moderne cloudbasierte Lösungen gefragt, die das Backoffice digitalisieren, aber auch kurzfristige Anpassungen innerhalb der Fachabteilungen und einen automatisierten Datentransfer erlauben.

Bestens dafür geeignet sind die modernen REST-APIs, deren Architektur genau auf Dienste in der Cloud zugeschnitten ist und die per HTTP-Protokoll die Verwendung von Webservices ermöglichen. Das dabei oftmals verwendete Datenformat JSON ("Java Script Object Notation") ist besonders leicht lesbar – von Mensch und Maschine – und kann mit nahezu allen gängigen Programmiersprachen angewendet werden. Perfekte Voraussetzungen also, wenn man verschiedenste Anwendungsbereiche des Backoffices miteinander vernetzen und nicht nur Daten austauschen, sondern auch die Nutzung von spezialisierten Services ermöglichen möchte.

API-Economy trotz Fachkräftemangel

Wie befähigt man aber Unternehmen zu einer ressourcenschonenden Automation der Datenverarbeitung im Backoffice, wenn selbst die Ressourcen für die entsprechenden Investitionen zu fehlen scheinen? Software-as-a-Service-Plattformen (SaaS) zum API-Management sollen dabei helfen, indem Programmierer entlastet werden. Low-Code-Systeme verringern beispielsweise die Entwicklungszeit, indem Prozesse und Datenströme über ein grafisches User Interface zusammengesetzt werden. Diese Idee kann und muss allerdings weitergesponnen werden, wenn Programmierer Mangelware sind – so wie im Mittelstand.

Mit No-Code werden auch Nicht-Programmierer zum Programmieren befähigt. Eine Benutzeroberfläche erlaubt es fachlichen Mitarbeitern, bereits vorgefertigte und getestete Bausteine per Drag'n'Drop zu individuellen Anwendungen zusammenzusetzen. So lassen sich verschiedenste Unternehmensprozesse im Handumdrehen digitalisieren. Offen bleibt allerdings noch die Frage, wie die fertigen Anwendungen untereinander kommunizieren. Da es sich um eine cloudbasierte Lösung handelt, die auch den Datenaustausch mit externen Partnern erlauben soll, kommen dabei die eben beschriebenen REST-APIs zum Einsatz. Diese zu definieren und auszulesen, ist bei herkömmlicher Programmierung aber mitunter ähnlich anspruchsvoll und zeitintensiv wie die Software-Erstellung selbst. Wichtig ist daher, dass sich der No-Code-Ansatz auch auf das API-Management ausweiten lässt.

Workflow per No-Code erstellen

Bei der Erstellung eines Workflows – in diesem Fall für eine API – folgt No-Code der Logik der meisten Programmiersprachen und erlaubt die Erstellung eines sogenannten When-Triggers, der die wichtigsten Rahmenbedingungen und Grundinformationen für die Anwendungsschnittstelle definiert. Das erfolgt aber eben nicht durch händisches Coden, sondern über ein entsprechendes Drag’n’Drop-Element. Wurde dieses in den Bereich des When-Triggers bewegt, lassen sich über eine simple Datenmaske innerhalb kürzester Zeit die Voraussetzungen für die Ausführung dieses Workflows editieren. Wenn also zum Beispiel über eine bestimmte dort definierte Webschnittstelle Daten eingehen, wird der Workflow getriggert.

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Die Aktion, die dann ausgeführt werden soll, kann ebenfalls über entsprechende Bausteine bestimmt werden. Im Fall der API-Erstellung ist das in erster Linie ein JSON-API-Call, der per cURL-Befehl Daten an eine definierte URL sendet. Über diese kann die API angesteuert und entsprechend Daten zurückgeliefert werden. Der verwendete cURL-Befehl lässt sich problemlos kopieren und einfügen. Anschließend wird er von der Plattform analysiert, um Variablenfelder vorauszufüllen und die Connection-Details festzulegen. Über die erstellten URLs können letztlich alle Anwendungen des Unternehmens miteinander vernetzt und ein automatisierter Datenfluss erzielt werden.

Doch nicht nur die Automation des internen Datentransfers sorgt für eine bedeutende Zeitersparnis und geringere Fehleranfälligkeit. Auch die Kommunikation mit externen Partnern und Zulieferern kann mit APIs erheblich vereinfacht werden. Mittels No-Code lassen sich beispielsweise eigene Schnittstellen definieren und bereitstellen, an denen Partner ihre Systeme anbinden können, sodass die automatisierte Verarbeitung von Rechnungs- oder Auftragsdaten möglich ist. Ebenso kann über diesen Weg die Nutzung der Funktionalitäten intern erstellter Betriebsanwendungen ermöglicht werden. APIs entwickeln sich somit von reinen Programmierschnittstellen zu Schnittstellen des Handels. Daher wird das Thema der Zukunft nicht nur das API-Backoffice, sondern die API-Economy sein.

No-Code als Middleware – Best of Breed

Oftmals gibt es bei technischen Neuerungen eine hohe Hemmschwelle, die darin besteht, das bestehende System über Bord zu werfen und mit etwas Neuem bei Null zu starten. Um auf das Bild der wuchtigen Aktenordner zurück zu kommen: Wurden diese erstmal von elektronischen Datenbanken abgelöst, handelte es sich nur noch um reine Staubfänger oder Altpapier. Dazwischen stand eine unglaublich aufwändige Umstellung und womöglich händische Datenübertragung. Anders sieht das bei einer Software-Lösung aus, die als Middleware fungiert und die Integration aller bestehenden Altsysteme und Fremddatenquellen per API-Anbindung erlaubt. Der Vorteil der modernen REST-APIs ist schließlich, dass sie an Flexibilität alles bisherige übertreffen und auf einem Datenformat basieren, das fast universell lesbar ist.

No-Code macht sich das zu Nutze und ermöglicht somit eine lineare und automatisierte Digitalisierung, mit der in einem beliebigen Teil des Unternehmens begonnen werden kann. Zügig zusammengeklickte APIs sorgen für einen automatisierten Datentransfer aus den bestehenden Systemen und Datenquellen. Gleichzeitig wird der sogenannte Best-of-Breed-Ansatz verfolgt – ein Prinzip der IT, nach dem die besten Lösungen aus jedem Anwendungsbereich in die eigene Software-Infrastruktur integriert werden. Oftmals entstehen dadurch höhere Kosten, wenn die Einzellösungen angepasst werden müssen, um eine Kompatibilität und einen Datentransfer untereinander zu ermöglichen. Diese Anpassungen sind nicht notwendig, wenn No-Code als „Vermittler“ eingesetzt wird, der alle Systeme zusammenhält und das Unternehmen in ein agiles API-Ökosystem verwandelt.

Moderne APIs sind also nicht nur im öffentlichen Web unverzichtbar geworden, sondern prägen immer mehr das Backoffice digitalisierter Unternehmen sowie den Austausch mit Handelspartnern. Umso bedeutender ist es, dass möglichst viele Marktteilnehmer Zugang zu dieser Form des Handels erhalten – auch solche, die beim digitalen Wandel bislang zurückliegen. SaaS-Angebote werden daher auch in Zukunft wichtig sein, um dem Mittelstand eine Teilhabe an der weiter wachsenden API-Economy zu ermöglichen.

* Dipl. Wirtschaftsingenieur Thorsten Winternheimer ist CEO der Necara GmbH.

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