Quelloffenheit als Wettbewerbsvorteil

9 Gründe für mehr Mut zu Open Source

| Autor / Redakteur: Stephan Augsten / Alan Duric / Stephan Augsten

Quelloffene Projekte sind Mainstream und werden mittlerweile auch durch große IT-Unternehmen vorangetrieben.
Quelloffene Projekte sind Mainstream und werden mittlerweile auch durch große IT-Unternehmen vorangetrieben. (Bild: Comfreak - Pixabay.com / CC0)

Open Source erfreut sich nicht nur bei Anwendern großer Beliebtheit, auch bekannte IT-Unternehmen legen immer mehr Quellcode offen. Neun Gründe untermauern laut Alan Duric, CTO und COO von Wire, dass Quelloffenheit einen Wettbewerbsvorteil darstellt.

Android, Docker, Kubernetes, Linux Kernel, Mozilla Firefox, Netbeans, OpenOffice: Die Liste der Projekte, welche die IT nachhaltig bereichert haben, ist lang. Sicherlich gibt es auch immer wieder Kritik, wenn sich bestimmte Projekte nicht wie von der Community gewünscht entwickeln, insbesondere wenn sie kommerziell genutzt werden. Doch gerade weil sich Open-Source-Projekte auf die eine oder andere Art monetarisieren lassen, sind sie für Unternehmen interessant.

Von der Arbeit außenstehender Entwickler profitieren durch die teilweise Veröffentlichung ihres Quellcodes auch Anbieter wie Amazon, Facebook, Google und Microsoft. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Open-Source-Initiative OSI erläutert Alan Duric, warum offener Quellcode eine Bereicherung darstellt. Im Folgenden nennt der CTO, COO und Mitgründer von Wire neun Gründe für freien Quellcode, die insbesondere IT-Entscheider kennen sollten.

1. Motivation und Produktivität:

Bei Open-Source ist vor allem der direkte Kontakt zur Community motivierend. Entwickler erhalten direktes Feedback von anderen Entwicklern. Das wiederum steigert die Motivation, am Ende ein optimales Produkt zu konzipieren und zu entwickeln.

2. Qualität:

Da die Codezeilen für jeden einsehbar sind, müssen Open-Source-Entwickler einem hohen Qualitätsanspruch gerecht werden. Bevor die Community den Code zu sehen bekommt, muss dieser, vor allem bei Updates oder Bug-Fixes, ausführliche Prüfprozesse durchlaufen. Auf diese Weise ist der Code sauberer und leichter verständlich. Zudem ist die Dokumentation von Open-Source-Projekten ein großer Vorteil. Für die Weiterentwicklung einer Software, hilft dabei diese abrufbare Änderungshierarchie um den Qualitätsstandard zu wahren.

3. Sicherheit:

Sobald der Quellcode freigegeben ist, erhalten externe Entwickler die Möglichkeit sich dem Code anzuvertrauen. Oftmals fokussieren die IT-Profis das Thema Datenschutz und -sicherheit. Werden so beispielsweise Quellcode-Hintertüren und andere potenzielle Sicherheitslücken erkannt, können diese angemerkt und behoben werden. Zudem kann die Software schnell und einfach unabhängigen Audits zur Verfügung gestellt werden, was wiederum das Vertrauen in die Software erhöht.

4. Transparenz:

Ein Punkt, über den die Community jederzeit im Bilde sein sollte, ist die Datenverarbeitung. Bei Open-Source-Projekten wird sie darüber informiert, was mit den eigenen, übertragenen Daten passiert - ob beispielsweise bewusst Schnittstellen für Dritte implementiert wurden. Auf der anderen Seite können Nutzer einsehen, ob ihre eigenen, sensiblen Daten mittels Verschlüsselungsmechanismen geschützt sind. Auch dies erhöht das Vertrauen in die Software erheblich.

5. Flexibilität:

Die Bereiche Big Data, Internet of Things und Co sind geprägt von laufenden Veränderungen und sorgen für neue Impulse in der IT. Anhand des aktueller Entwicklungen in der Technologie-Szene und des Feedbacks der Community können Software-Hersteller entsprechend reagieren und Veränderungen am Code vornehmen. Der Vorteil dabei ist, dass fortlaufende Aktualisierungen die Software verbessert und Nutzerinteressen berücksichtigt.

6. Demokratisierung:

Open-Source-Code soll bewusst eine Diskussionsgrundlage darstellen, damit bestehende Funktionalitäten hinterfragt oder zu Produkt-Updates angeregt wird. Denn auf Basis angefragter zusätzliche Funktionen oder Anmerkungen zu verwendeten Programmiersprachen, kann die Software optimiert werden. Den IT-Profis ist es frei überlassen, den Quellcode zu kommentieren, zu teilen und zu bearbeiten. Die Demokratisierung von Quellcode bedeutet einerseits Wissen weiterzugeben und andererseits über Technologien zu debattieren. Erfahrungen und Feedback haben dahingehend weit mehr Einfluss auf die Digitalszene als nur für ein einzelnes Software-Projekt.

7. Kosteneffizienz:

Quelloffene Software ist im Gegensatz zum proprietären Gegenstück leistungsfähiger und skalierbarer. Ein weiterer Vorteil ist, dass Lizenzgebühren bei der Implementierung zusätzlicher Open-Source-Software entfallen, wie beispielsweise dem Apache HTTP Server. Zudem können externe Entwickler aus der Community unkompliziert Code zu einem Projekt beisteuern, oftmals geschieht dies kostenfrei. Übrigens: Einige IT-Profis nutzen ihr Mitwirken an Open-Source-Projekten im Lebenslauf und unterstreichen auf diesem Weg die Attraktivität für Arbeitgeber.

8. Dauerhaftigkeit:

Da der Code online auf Plattformen wie GitHub, GitLab oder Launchpad verfügbar ist, kann dieser über einen langen Zeitraum eingesehen werden. Auf diese Weise bleiben auch gelöschte Codezeilen erhalten und sind komplett dokumentiert.

9. Unabhängigkeit:

Ein großer Vorteil ist, dass Unternehmen ihr eigenes Entwickler-Team beschäftigen und nicht von Software-Anbietern abhängig sind. Das eigene, fachliche Know-how wird zudem um das des Experten-Netzwerks erweitert. Online-Services, die ihren Quellcode veröffentlichen, profitieren folglich von einer Symbiose aus internem und externem Wissen und sind damit unabhängig.

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