GoormIDE, StackBlitz und Autocode 3 kostenlose Cloud- und Web-IDEs

Von Mirco Lang

Anbieter zum Thema

Weniger Verwaltung, mehr Code: Online-Entwicklungsumgebungen erobern den Markt. Dabei gibt es wirklich spannende IDE-Angebote, die man kennen sollte. Drei spezielle Vertreter stellen wir in diesem Beitrag vor.

Goormide: Bekannte VSC-Optik mit Container-Unterbau.
Goormide: Bekannte VSC-Optik mit Container-Unterbau.
(Bild: Lang / goormide)

Bei der Frage nach der Lieblings-IDE ist die typische Entwickler-Antwort heute meist VS-Code – und vermutlich läuft der Editor in der Regel noch als Desktop-Anwendung. Aber spätestens seit VS-Code auch via Browser läuft und viele VS-Code-inspirierte IDEs auf Basis von Theia entstehen, dürfte der Anfang vom Ende der Desktop-IDE-Anwendung als eingeläutet gelten.

Die zwei wohl populärsten Projekte in dieser Sparte: Github Codespaces und Gitpod. Beide bieten „Arbeitsplatz-Rechner“ wie sie auch ein Arbeitgeber seinen Entwicklern zur Verfügung stellt (oder stellen sollte). Ein angepasster Code-Editor mit unternehmenseigenen Einstellungen und Vorgaben, benötigter Software, Anbindung an zentrale Dienste wie Versionsverwaltung oder Cloud-Deployment, fertig eingerichtet auf einem Laptop.

Bei einer Cloud-IDE übernehmen lediglich Container die Rolle des Laptops. „Cloud-IDE“ steht also eher für „virtueller Arbeitsplatz-Rechner“ als für die traditionelle IDE-Software im Sinne von etwa Visual Studio. Aber es gibt auch sehr spezielle Varianten von Online-, Web- und/oder Cloud-IDEs, die nicht mit einem expliziten Container-Unterbau arbeiten.

Im Folgenden zeigen wir einige spannende Projekte, die einen Blick lohnen könnten. Alle Tools bieten auch kostenlose Accounts, die für ausgiebige Tests, aber auch kleinere Projekte geeignet sind. Beginnen wir mit der prototypischen Container-basierten Goorm-IDE.

GoormIDE

Hinter dem etwas sperrigen Namen goormide (Eigenschreibweise) steckt eine Cloud-IDE, die wirklich umgehend für Freude sorgt: Der Einstieg ist Dank eines kurzen Tutorials und einer sehr übersichtlichen, intuitiven Management-Oberfläche selbst ohne jegliche Vorerfahrung sehr einfach.

Dabei ist goormide vor allem ein Paradebeispiel für allgemeine Cloud-IDEs: Eine Arbeitsumgebung ist letztlich nichts weiter als ein Docker-Container auf Ubuntu-Basis, in dem ein Code-Editor läuft, der über den Browser aufgerufen werden kann. Zudem sind im Container alle benötigten Abhängigkeiten und übliche Zusatz-Tools enthalten. Und auch der Editor selbst ist entsprechend Ihrer Vorgaben angepasst.

Im Grunde stellt goormide also genauso einen Arbeitsplatzrechner zur Verfügung, wie es ein Unternehmen tut – nur eben in Form eines Containers statt eines Laptops. Das Schöne bei goormide: Das Konzept wird nicht künstlich verkompliziert und in unverständliche „IT-Business-Sprache“ gegossen – es gibt einfach Container und Stacks mit Bibliotheken, Tools und so weiter.

Container werden im Wesentlichen über Vorlagen und Stacks erstellt: Per Vorlage wird das Projekt etwa an Github oder Bitbucket angebunden, der Stack legt den inhaltlichen Fokus fest. Der Python-Stack beinhaltet dann beispielsweise folgende Tools:

  • Python
  • pip
  • Jupyter
  • Django
  • Flask
  • TensorFlow
  • Caffe
  • Spark

Als Betriebssystem dient hier wahlweise Ubuntu 18.04 oder 16.04. Andere Stacks können nur auf die 18.04 zurückgreifen. Auch im Editor schlägt sich der Stack nieder, so finden sich etwa Jupyter-Notebooks oder ein Python-Handbuch direkt in der Oberfläche.

Unter den über 30 Stacks finden sich zum Beispiel C/C++, Maven, Spring, Ruby, Arduino, C#, .NET und Wordpress. Alle Container können zudem mit MySQL und/oder MongoDB versorgt werden. Eine Besonderheit: Container lassen sich als GPU-Instanzen nutzen. Der eigentliche Editor ist im VS-Code-Stil gehalten, allerdings gibt es keinen integrierten App-Store, um Erweiterungen installieren zu können.

Der kostenlose Account ist beschränkt auf 5 Container, einer davon aktiv, 5 Nutzer, 10 Gigabyte (GB) Speicher und 1 GB RAM. Der teuerste Plan liegt derzeit bei 21,88 US-Dollar (USD) im Monat und bringt 4 GB RAM, 40 GB Speicher, 20 Container (4 aktiv) und weitere Ressourcen. Vor allem bieten die kostenpflichtigen Konten die Möglichkeit, Container als Images zu sichern.

StackBlitz

Bei StackBlitz sieht die Welt schon ganz anders aus: Hierbei handelt es sich um eine IDE zwar im Browser, aber ansonsten im eher herkömmlichen Sinne, sprich nur die Software selbst – mit Containern muss man hier nicht hantieren.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Softwareentwicklung und DevOps

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die einfachste Art, StackBlitz zu beschreiben: Es ist eine angepasste VS-Code-Installation für Web-Projekte auf Basis von Angular, React und Vue. Projekte können als Github-Repositories exportiert oder auf Firebase deployt werden. Zudem lassen sich Node.JS-Erweiterungen via NPM-Client direkt im Browser nachrüsten, es gibt Funktionen zum Teilen und Forken von Arbeiten und dazu die üblichen VS-Code-Frontend-Optionen – allerdings handelt es sich um eine abgespeckte Variante.

Der eigentliche Fokus bei StackBlitz liegt auch nicht auf der Vielfältigkeit, sondern auf der Einfachheit. Durch den Web-Fokus kann es direkt los gehen mit dem Coden. Auch Kollaboration ist simpel, denn Code und App lassen sich bei Bedarf mit beliebig vielen Dritten teilen.

Richtig clever ist aber vor allem das Einbetten: Der Editor kann in angepasster Ansicht über einen Embed-Code in Webseiten, Blogs und dergleichen eingebettet werden. Gerade im Bereich Weiterbildung ist dieses Feature ein echtes Highlight (auch wenn es hier auf Anhieb in einer produktiven Wordpress-Installation nicht wie gewünscht funktionieren mochte).

In der kostenlosen Variante können beliebig viele öffentliche Projekte erstellt und mit öffentlichen Github-Repositories synchronisiert werden. Die kostenpflichtigen Versionen gehen bis auf 29,00 USD pro Monat rauf und bieten dann entsprechende Optionen auch für private Repos, erweiterte Git-Funktionalität, Slack-Integration und einige kleinere Komfort-Features.

Autocode

Autocode ist ebenfalls ein Spezialist – und noch weiter weg von einer „normalen“ IDE – genau genommen sieht der Anbieter selbst die eigentliche IDE als einzelnen Bestandteil des gesamten Angebots, das er „automation software suite“ nennt. So nebulös das auch klingt, das Angebot hat es in sich: Autocode ist Entwicklungsumgebung und Hoster für fertige Apps gleichzeitig, wobei sich hier alles um ein Thema dreht, nämlich APIs und Verbindungen mit diesen.

Der verhältnismäßig einfach gehaltene Code-Editor kommt nicht ganz an den von VS-Code gewohnten Komfort heran, erfüllt aber seinen Zweck. Und der ist im Grunde simpel: Es werden Web-Apps erstellt, die aus statischem Content (HTML-Seiten etwa) und „serverless functions“ bestehen. Darunter versteht Autocode das eigentliche Kernprodukt, nämlich angebundene API-Endpunkte.

Genau dieses Anbinden von Endpunkten ist der Vorgang, den Autocode vereinfacht: Hier lassen sich Schnittstellen etlicher Tools wie zum Beispiel Github, Twitter, Giphy, Slack oder MySQL nutzen. Wie die Anbindung abläuft, hängt vom Dienst ab. Bei Github zum Beispiel poppt einfach dessen Authentifizierungs-Dialog auf, bei MySQL müssen die Server-Login-Daten manuell angegeben werden. Autocode kann allerdings auch mit ganz regulären Webhooks arbeiten, was die Möglichkeiten quasi grenzenlos macht.

Bei Autocode geht es um die Automatisierung von Workflows zwischen unterschiedlichen Anwendungen mit einem Minimum an erforderlichem Coding-Aufwand, aber dennoch sehr weitreichenden Möglichkeiten. Wer mit APIs und Token-Management vertraut ist, dürfte den Einstieg schnell finden – alle anderen bekommen die nötige Hilfe meist direkt über die Dokumentation.

Die kostenlose Variante erlaubt 50 Projekte mit zwei Endpunkten pro Projekt, 4 Mitarbeiter und einen Endpunkt-Timeout von 30 Sekunden. Nahezu grenzenlos wird es beim größten Account „Diamond“ für 3.000 USD pro Jahr, mit dem es dann auch eigene SLAs gibt.

Weitere IDEs

Mittlerweile ist die Anzahl mehr oder weniger ähnlicher Dienste enorm angestiegen. Gitpod und Github Codespaces decken weitgehend denselben Bereich ab wie das wirklich sehr empfehlenswerte goormide – vollwertige Arbeitsplatzumgebungen samt Rechenleistung und allen Vorzügen einer Container-basierten, vordefinierten IDE.

Alternativen zum JavaScript-Spielplatz StackBlitz wären zum Beispiel CodeSandbox und Codepen, die jeweils einen ähnlichen Funktionsumfang haben, allerdings nicht auf dem allseits beliebten VS-Code basieren!

Als Einstieg in die Welt dieser Art von IDE, oder vielleicht besser Online-Arbeitsplatz, ist goormide sehr gut geeignet – vor allem, weil hier sehr wenig Unfug mit Buzzwords getrieben wird. Hier laufen einfach Container mit Betriebssystem und Software-Stack und man muss nicht erstmal nachlesen, was denn bitte Pens sind oder Sandboxes oder Workspaces.

(ID:48033476)