Von den Besten lernen

3 In-App-Suchen mit top User Experience

| Autor / Redakteur: Connor Iny * / Stephan Augsten

Manche In-App-Suchen sind ebenso elegant wie mächtig – und surreal gut.
Manche In-App-Suchen sind ebenso elegant wie mächtig – und surreal gut. (Bild: Rodrigo_Jay - Pixabay.com / CC0)

Die meisten beliebten Apps, die wir täglich benutzen, bieten ein extrem intuitives und optimiertes Nutzererlebnis. Die Bedienung fließt so natürlich dahin, dass wir uns der hervorragenden User Experience nicht einmal bewusst sind. Wir sehen uns an, was eine gute In-App-Suche und -Navigation ausmacht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie buchstäblich für eine oder mehrere Sekunden innehalten mussten, um zu überlegen, wie eine App oder ein bestimmtes Feature davon funktioniert? Was passiert, wenn das Nutzererlebnis, auch User Experience oder UX, in einer der wichtigsten Funktionen einer App nicht optimiert ist, wie beispielsweise in der In-App-Suche?

Einige der nachteiligen Ergebnisse kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung: Eine schlechte UX kann leicht zu hohen Ausstiegsquoten führen, niedriger Konversionsrate, niedriger Kunden- und Nutzerbindung. Keine große Sache oder? Falsch. Aber fokussieren wir uns nicht zu sehr auf die negative Seite – denn schließlich optimieren einige Apps ihr Nutzererlebnis bei der In-App-Suche wirklich brillant. Und jeder App-Entwickler kann sich davon inspirieren lassen.

Wir haben sorgfältig 3 Apps ausgesucht, die uns wegen des herausragenden Nutzererlebnisses bei der Suche aufgefallen sind.

1. Momondo

Die Momondo App besticht mit einer einfachen Flugsuche, der gewünschte Bereich für den Hotelaufenthalt lässt sich auf der Karte einzeichnen.
Die Momondo App besticht mit einer einfachen Flugsuche, der gewünschte Bereich für den Hotelaufenthalt lässt sich auf der Karte einzeichnen. (Bild: Momondo)

Beim Start der Momondo -App auf Android wird der Nutzer gleich mit einem Suchbildschirm in all seiner Pracht begrüßt. Wie bei vielen anderen Reise-Apps, stellt die Suchfunktion einen großen Teil des Einkaufsprozesses dar. Sie ist wie ein Suchscheinwerfer, der die Nutzer in der Dunkelheit leitet und ihnen hilft, das Gesuchte schnell zu finden.

Folgendes mag ich am Nutzererlebnis in Momondos In-App-Suche:

  • Mit ihrem Design bettelt die Schaltfläche „Suchen“ geradezu um Aufmerksamkeit, nicht nur weil sie größer ist als der Rest der Design-Elemente. Im Gegensatz zum Rest des Bildschirms hat sie hat eine andere, kräftigere Farbe und einen dezent leuchtenden Effekt, der sie umgibt. Alles was ich will, ist, den Rest der Details auszufüllen, damit ich endlich auf diese Schaltfläche tippen kann.
  • Ich schätze es, wie akkurat und produktiv die Suchfunktion ist. Im Bereich „Von“ wird direkt die Möglichkeit geboten, nahe gelegene Flughäfen anzuzeigen – mittels „inkl. Umgebung“, auch basierend auf dem Standort. Entscheidet der User sich dafür, den Ort selbst einzugeben, blitzen Ortsvorschläge je nach Eingabe schnell und exakt auf. Tippt er anschließend auf den Bereich „Nach“, wird der Nutzer noch vor der Eingabe mit einem kleinen Globussymbol begrüßt, das sagt „Irgendwo – Ziele passend zu Deinem Budget“. Eine nette Mikro-Interaktion …
  • Mehr und mehr Apps nutzen Wischbewegungen als wichtigste Methode, um zwischen den Bildschirmen zu navigieren. Dementsprechend kann ich nicht anders, als in jeder App, die ich benutze, zu versuchen zu wischen. Reagiert die App darauf nicht, frustriert mich das dermaßen, dass ich weniger nachsichtig gegenüber der restlichen Interaktion bin. Zum Glück ist das hier nicht der Fall. Wischen ist extrem intuitiv und man erhält eine sehr zufriedenstellende Gleitanimation, wenn man von links nach rechts und umgekehrt wischt. So navigierst man zwischen den Suchbereichen der „Flüge“ und den „Hotels“.

2. Farfetch: Designermarken-Shop

Der Farfetch-Bildschirm ist zwar vollgepackt, wirkt dabei aber trotzdem nicht überfrachtet.
Der Farfetch-Bildschirm ist zwar vollgepackt, wirkt dabei aber trotzdem nicht überfrachtet. (Bild: Farfetch / Apple iTunes)

Ähnlich wie Reise-Apps sind Einkaufs- und Online-Handel-Apps extrem abhängig von ihrer Suchfunktion und deren Präzision. Eine Einkaufs-App sollte ein optimiertes Sucherlebnis bieten, damit Nutzer das Gesuchte finden, möglicherweise sogar etwas, von dem sie vorher nicht mal wussten, dass sie danach suchen – und dass sie dann den Einkauf wirklich abschließen.

Was beim Start der Farfetch-App unter iOS sofort ins Auge fällt, ist der besetzte Suchbildschirm. Das Wort „besetzt“ heißt normalerweise nichts Gutes – manche Designer neigen dazu, die Dinge unnötig kompliziert zu machen und so viele Funktionen wie nur möglich auf einen Bildschirm zu pressen.

Während ich eigentlich das minimalistische Konzept bevorzuge, muss ich doch sagen, dass ich ein Fan von dem bin, was Farfetch mit seinem Suchbildschirm angestellt hat. Aus folgenden Gründen:

  • Farfetchs Suchbildschirm springt ins Auge, ist schick und vollgepackt mit Artikel-Vorschlägen. Nutzer erhalten so einen Schnellzugang zu relevanten Einträgen, schon bevor sie überhaupt ihre Suche beginnen. Im Endeffekt sind wir Menschen visuelle Lebewesen – und Farfetchs Designer nutzen genau das. Es ist nachvollziehbar, dass diese Benutzeroberfläche zu einer höheren Konversionsrate durch die Suche führt.
  • Was gefällt, ist die Unterteilung des gesamten Suchbildschirms in verschiedene Bereiche. Neben der eher traditionellen Suchleiste oben gibt es die Sektion „Neuzugänge“, die einen einzelnen Artikel aus einer neuen Kollektion zeigt, der relevant für den Nutzer ist. Und zuletzt ist der untere Teil des Bildschirms komplett dem Bereich „Empfehlungen“ gewidmet, in dem man zahlreiche „handverlesene“ empfohlene Artikel sieht und direkt mit einem Tipp auf die Artikelseite springen kann. In-App-Personalisierung vom Feinsten.

3. Google Maps

Die neue Zusatzleiste in Google Maps unter iOS.
Die neue Zusatzleiste in Google Maps unter iOS. (Bild: Google / 9to5Mac (https://9to5mac.com/2018/02/15/google-maps-ios-update/))

Der eine oder andere denkt jetzt wahrscheinlich: „Na ist doch klar, dass der Suchmaschinengigant ein hervorragendes Nutzererlebnis bei der Suche bietet.“ Sicherlich ist ein bisschen unfair, aber ohne jeden Zweifel: Was Google mit der Maps-App sowohl auf Android als auch iOS gemacht hat, ist einfach nur großartig. Aus folgenden Gründen:

  • Erstens ist da eine schwebende Top-Suchleiste, die den Nutzer nie alleine lässt oder „betrügt“, egal wie er mit dem Bildschirm interagiert – sie ist da, bis man mit dem Suchen und Erkunden fertig ist.
  • Dann ist da noch ein ganzes „verstecktes Universum“, das darauf wartet, dass es im Bildschirm von unten eingebendet wird. Wischt der Anwender die untere Leiste nach oben, entdeckt er umgehend die Tabs „Erkunden, Auto, ÖPV/ÖPNV“. Mit einem weiteren Wisch nach oben kommen weitere Funktionen aus diesem besonderen Tab zum Vorschein. Wie man in den Bildern sehen kann, lässt sich so beim Erkunden einfach herausfinden, was in der näheren Umgebung los ist (Restaurants, Tankstellen, Einkaufen usw.). Es macht richtiggehend Spaß damit zu spielen und ist gleichzeitig sehr nützlich.
  • Zugegeben: ich habe eine Schwäche für das Material Design. Googles (relativ) neue Designsprache ist ästhetisch ansprechend aber auch sehr produktiv. Das ganze App-Nutzererlebnis ist voller dezenter Animationen, die dem Nutzer ein beruhigendes Feedback in allen Bereichen gibt, was zu einer höheren Interaktion beitragen kann.

Werkzeuge und Tipps für die UX-Optimierung

Die drei Apps zeigen sehr eindrucksvoll, wie ein hervorragendes Nutzererlebnis bei der In-App-Suche erzeugt werden kann. Doch jeder Entwickler hat die Möglichkeit, die integrierte Suche der eigenen App zu beobachten und zu optimieren. Zunächst einmal sollte man sich bei allen Entscheidungen zum Nutzererlebnis in der Suche eher auf die qualitative Analyse als auf quantitative Analyse verlassen.

Bei der qualitativen App-Analyse dreht sich alles um das Nutzerverhalten.
Bei der qualitativen App-Analyse dreht sich alles um das Nutzerverhalten. (Bild: Appsee)

Kurz gesagt dreht sich bei der qualitativen Analyse alles um das Nutzerverhalten. Sie bietet Werkzeuge, die es erlauben, die Interaktionen des Nutzers zu beobachten und seine Vorlieben kennenzulernen. Das Nutzererlebnis beinhaltet alle Aspekte der Interaktion des Endnutzers und lässt sich nur mithilfe der qualitativen Analyse messen und optimieren.

Jedes Tippen, Wischen und jede Handlung wird dabei aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen über die Nutzersitzungen lassen (objektive) Rückschlüsse darauf zu, wie Nutzer mit der Suchfunktion interagieren. Basierend darauf lässt sich die Benutzeroberfläche so optimieren, dass die User Experience besser wird.

In-App-Bewegungen lassen sich am besten mit einer Touch Heatmap verfolgen.
In-App-Bewegungen lassen sich am besten mit einer Touch Heatmap verfolgen. (Bild: Appsee)

In-App-Bewegungen lassen sich am besten mit einem Tool beobachten, das die Klickdichte per Touch Heatmap anzeigt. Diese fasst alle Daten der verschiedenen Bewegungen zusammen, die gemacht werden, um mit der App zu interagieren (Tippen, doppelt tippen, Wischen, Bewegungen mit zwei Fingern usw.). Die Daten werden als Wärmebild (Heatmap) angezeigt, als eine Schicht, die über der eigentlichen App platziert ist.

Zu sehen, wo die Nutzer mit dem Bildschirm interagieren und wann/wo deren Bewegungen nicht beantwortet werden, ermöglicht eine viel einfachere Optimierung. Es ist selbstverständlich, dass die kleinste nicht beantwortete Bewegung eine erhebliche Auswirkung auf die User Experience – und somit auf die Kundenbindung oder -abwanderung – haben kann.

Abschließende Gedanken

Ob Reise-, Einkaufs- oder Transport-App: Sie alle leben von einer In-App-Suche, die den Nutzer möglichst komfortabel über die Ziellinie bringt (Kasse, Einkaufswagen oder Reiseziel). Der Suchbildschirm kann optisch noch so ansprechend sein; wenn die Benutzerfreundlichkeit mangelhaft ist, schadet der Entwickler nur sich selbst. Genau genommen leidet aber auch der Nutzer.

Connor Iny
Connor Iny (Bild: Appsee)

Lange Rede kurzer Sinn: Das Nutzererlebnis Deiner In-App-Suche zu optimieren ist ein Muss. Es gibt viele tolle Werkzeuge wie die Appsee App-Analyse, die mehr über die Vorlieben des Users preisgeben.

* Connor Iny gehört zum Inbound Marketing Team bei Appsee. Er ist passionierter Social-Media- und Content-Ninja und könnte tagelang über Tech-Themen und Android sprechen. In seiner Freizeit steht er auf Surf- und Skateboards. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @marketingwookie.

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