Alte Strukturen aufbrechen

Wie kann ein DevOps-Projekt von Beratung profitieren?

| Autor / Redakteur: Christian Thomsen * / Stephan Augsten

Bei der Umsetzung von DevOps kann ein Blick von außen weiterhelfen.
Bei der Umsetzung von DevOps kann ein Blick von außen weiterhelfen. (Bild: geralt - Pixabay.com / CC0)

Die Komplexität von IT ist schon lange kein Geheimnis mehr. Die Frage ist also, wie man damit umgehen soll. Ein viel gepriesenes Mittel ist DevOps, auch wenn die Definition für diesen Begriff ebenso wie die Umsetzung nicht einheitlich ist.

Einigkeit herrscht bei den Vorteilen, die da sind Agilität, Effizienz und Kundenbindung. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil der langen Liste an Chancen, die DevOps bietet. Die eigentliche Frage ist aber: wie setzt man es um? Der routinierte Einsatz der DevOps Tools Chain spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Viel schwieriger ist es, festgefahrene Strukturen und Prozesse in den Unternehmen aufzubrechen.

Der Kampf beginnt meist schon damit, zu entscheiden, wie Entwicklung und Betriebsorganisation auf eine Wellenlänge gebracht werden können. In vielen Fällen sind diese Lager durch einen tiefen Graben getrennt. Wenn beide Parteien Hand in Hand arbeiten würden, könnten neue Applikationen so dynamisch und agil gestaltet werden, wie es der Markt heute verlangt.

Agilität ist das Ziel

Erfahrungsgemäß ist der Einstieg in DevOps-Projekte so individuell wie die Voraussetzungen in den Organisationen. Größere Unternehmen wollen oft agiler werden und ihre IT-Landschaft automatisieren – eine klare Strategieentscheidung. Sie zielen auf ein möglichst kurzes Time-to-Market und setzen dabei auf DevOps.

Ihre Strukturen befinden sich bereits im Umbruch, sie brauchen operative Spezialisten, die ihnen bei der Abwicklung der entsprechenden Projekte helfen. Hier können Berater zum Beispiel im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung die erforderliche Manpower und das interne Know-how aufstocken. Gerade bei Behörden gibt es oft sehr große Projekte, die mit viel Zukauf von Beratungskapazität umgesetzt werden.

Über die Tools zur Veränderung

Es gibt aber auch Unternehmen, die an das Thema selbst noch herangeführt werden müssen. Hier geht der Weg über bereits etablierte DevOps Tools hin zur strukturellen Veränderung. Vor allem im Bereich Continuous Delivery sind Unternehmen und Mitarbeiter schnell überzeugt, denn hier ist der Nutzen direkt erleb- und greifbar. Kann eine Idee schnell umgesetzt und auf den Markt gebracht werden, steigt die Begeisterung rapide an.

Das allerdings setzt die Etablierung eines von den Tools her sauberen Continuous-Delivery-Prozesses voraus. Mit einer funktionierenden DevOps Tool Chain werden die Vorteile eines schnelleren Time-to-Market realisierbar. Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmen nach den ersten Erfolgen viel bereitwilliger an eine Prozessveränderung herangehen – ein Weg, der vielleicht länger dauert, aber durchaus erfolgversprechend ist.

Continuous Delivery first

Zuweilen muss man auch Basisarbeit leisten. So wurden wir in ein Projekt gerufen, das die Agilität beschleunigen sollte – mit dem gleichzeitigen Ziel, vollkommene Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu schaffen. Es gab bereits ein Konglomerat an älteren Technologien, jedoch fehlte die Prozessschicht komplett: kein Testkonzept, keine Testautomatisierung. Der manuelle Deployment-Prozess dauerte gut zwei Stunden und war – stressbedingt – fehleranfällig.

Eine Woche dauerte es, die Automatisierung des Deployment-Prozesses umzusetzen – eine Investition, die nicht jeder gut heißen wollte. Im ersten Schritt setzten die Spezialisten Continuous Delivery auf, schufen eine Verbindung zwischen Jira und Eclipse und verpflichteten die Stakeholder, die Kommunikationstools Jabber und Webex zu nutzen sowie Änderungen in Jira einzutragen

Die Verantwortlichen erinnern sich sicher noch heute an das zähe Ringen um die Veränderung der operativen Prozesse, also etwa die Tickets besser auszuarbeiten und die Abnahmekriterien zu definieren. Der so entstandene Deployment-Prozess, der jetzt per Knopfdruck funktioniert, löste im ganzen Unternehmen Begeisterung aus. Heute entwickeln die Mitarbeiter selbst Ideen.

Erst testen, dann starten!

Nach einer gemeinsamen Planungsphase, in der auch die Tool Chain, also das Set aus Programmier-Tools definiert wurde, lief die Umsetzung zunächst in der Testumgebung. Dort konnte das Unternehmen die Features ausprobieren und abnehmen.

Erst im Anschluss daran erfolgte standardmäßig die Auslieferung auf die Produktivumgebung – mit Unterstützung der Entwickler und Fachabteilungen. Aber die Tool Chain alleine reicht nicht. Entwicklung und Fachabteilungen müssen wissen, wie sie sie nutzen können. Erst wenn das Unternehmen hier selbst einsteigt, kann man das gesamte Potenzial herausholen.

Christian Thomsen
Christian Thomsen (Bild: cellent)

Auch wenn die Umsetzung von DevOps noch keine lange Geschichte hat, zeigen viele Projekte, dass IT-Beratung helfen kann: im ersten Teil der Aufgabe mit dem Aufsetzen eines Projekts mit Kanban und entsprechenden Tools, mit Kommunikationsförderung und DevOps, ebenso wie im zweiten Teil, dem konkreten Doing. Bei DevOps zählen beide Teile – denn Ops ohne Dev ist anstrengend, Dev ohne Ops sinnlos.

* Christian Thomsen ist Team Manager Software Development beim IT-Berater cellent.

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