Stimmungsmacher

Teambonding-Maßnahmen für verteilte Teams

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

In verteilten Teams ist die Kommunikation mit den Kollegen ebenso wichtig, wie bei lokaler Zusammenarbeit.
In verteilten Teams ist die Kommunikation mit den Kollegen ebenso wichtig, wie bei lokaler Zusammenarbeit. (© Andrey Popov - stock.adobe.com)

So effektiv verteilte Entwicklerteams arbeiten können, so sehr leiden sie gegebenenfalls unter der Entfernung. Das schnelle, kreative Gespräch an der Kaffeemaschine ist ebenso wenig möglich wie typische Teambonding-Maßnahmen bei lokalen Teams möglich. Trotzdem können Sie auch in verteilten Teams für ein besseres Arbeitsklima sorgen.

Früher oder später dürfte jeder Teamleiter mit einem Problem konfrontiert werden: Was, wenn die soziale Stimmung nicht optimal für den kreativen Prozess ist und sich Mitarbeiter nicht verstehen oder sogar mit kleinen Rivalitäten für Reibereien sorgen?

Bei lokalen Teams sind in diesem Fall Teambonding-Maßnahmen angebracht: Ein entspannter Grillabend mit allen Mitarbeitern, ein gemeinsamer Betriebsausflug oder Freizeitaktivitäten können in solchen Fällen helfen, dass Team-Mitglieder aufeinander zugehen, sich besser vertragen – und dadurch effektiver zusammenarbeiten.

Bei Remote-Teams gibt es allerdings zwei Probleme: Einerseits können die Reibereien durch die Eigenschaften des verteilten Teams deutlich verstärkt werden – etwa durch den fehlenden persönlichen Kontakt, kulturelle und sprachliche Hürden oder gar das Wir-gegen-die-Gefühl. Andererseits fehlt aufgrund der Entfernung der Mitarbeiter zueinander zumeist die Möglichkeit, klassische Teambonding-Maßnahmen wie die oben genannten durchzuführen. Was also tun?

Teambonding für Remote-Teams

Dass ein reibungsloses Zusammenarbeiten der einzelnen Teammitglieder sich kreativitätsfördernd und effizienzsteigernd auswirkt, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Gerade in verteilten Teams müssen sich Teamleiter aber etwas einfallen lassen, um die zum Teil global verteilten Mitarbeiter zueinander zu bringen.

Natürlich wäre es am einfachsten, Remote-Mitarbeiter einfach einzuladen und zum Beispiel ein Kennenlern-Event durchzuführen – in den allermeisten Fällen dürfte der Controller aber bei solchen Ideen nur mit dem Kopf schütteln: Es ist schlicht zu teuer, zum Beispiel das Unterteam aus Bangalore für einige Tage einzufliegen, nur um mit ihnen einen Grillabend zu veranstalten. Für das Teambonding in verteilten Teams müssen also andere Maßnahmen eingesetzt werden.

1. Teammitglieder vorstellen

Die wohl einfachste Methode des Teambondings ist es, die Mitarbeiter des verteilten Teams zunächst einmal untereinander bekannt zu machen. Dazu sind im Grunde nur Steckbriefe an zentraler Stelle nötig, etwa in einem internen Blog-System oder vergleichbarer nichtöffentlicher Software.

Präsentieren Sie hier alle Teammitglieder mit Foto, Name, Alter und anderen wichtigen Informationen. Erfragen Sie zusätzlich persönlichere Informationen wie Hobbys, Sportvorlieben oder Videospiel-Präferenzen und verlinken Sie die Social-Media-Profile. Je mehr persönliche Infos hier zusammenkommen, umso besser: Mitarbeiter können sich so selbstständig Kollegen mit ähnlichen Interessen suchen, was letztlich der Teamarbeit dient.

2. The Power of Play nutzen

Das Ziel jeder Teambonding-Maßnahme ist es, Mitarbeiter in einer stressfreien Umgebung zusammenzuführen, um einen entspannten Austausch zu ermöglichen. Hier sollte niemals „the power of play“, die „Kraft des Spielens“ unterschätzt werden.

Hier kann die gleiche Technik eingesetzt werden, die das Remote-Team erst möglich macht, nämlich das Internet: Eröffnen Sie zum Beispiel regelmäßige Gaming-Events oder kleine E-Sports-Aktivitäten über das Internet. Beliebte Spiele hierfür sind zum Beispiel Echtzeit-Strategie-Games wie Starcraft II, der kostenlose Shooter BZFlag oder das Auto-Ballspiel Rocket League. Rundenbasierte Strategiespiele mit vielen Teilnehmern eignen sich natürlich auch hervorragend, sogar Schach ist möglich.

Welche Games sich für Ihr Team eignen, können Sie am besten mit den Teammitgliedern herausfinden. Wichtig: Sie sollten einen Kommunikationskanal schalten, etwa einen Videochat, um das Teambonding beim Gaming zu optimieren.

3. Privaten Austausch ermöglichen

Eine weitere Möglichkeit, Teammitglieder in verteilten Teams zusammenzuschweißen ist das dedizieren Erlauben eines privaten Austauschs. Was normalerweise an der Kaffeemaschine oder am Kopierer geschieht, der kleine, inoffizielle Austausch zu privaten und dienstlichen Themen („Chit-Chat“), ist eine echte Kreativitätsmaschine. Deshalb sollten Sie ihren Mitarbeitern erlauben, während der Arbeit auch Freundschaften mit den Teammitgliedern zu pflegen – beispielsweise in Videochats via Skype oder über sonstige Services und Messenger.

4. E-Mail an alle

Verschicken Sie von Zeit zu Zeit eine Mail mit lockerem Inhalt an alle Teammitglieder. Das sollte kein „lustiges“ Meme sein, schon weil das schlimmstenfalls kulturelle Gräben noch weiter aufreißen kann. Vielmehr sollten Sie eine Art lockere E-Mail-Fragerunde anleiern, etwa nach dem nächsten Urlaubsziel oder nach anderen harmlosen persönlichen Dingen.

Wichtig dabei ist das Stichwort „harmlos“, Sie sollten also keine Fragen stellen, die den Team-Mitgliedern das Gefühl geben, sich für die Antwort jetzt anstrengen zu müssen. Alle beantworten die Mail an alle Empfänger, wodurch eine gewisse Gruppendynamik erzeugt und der private Austausch der Teammitglieder angeheizt wird. Das dient letztlich dem Zusammenhalt.

5. Forum oder Gruppenchat einrichten

Statt des E-Mail-Systems können Sie natürlich auch ein internes Forum oder einen Gruppenchat einrichten, in dem sich die Teammitglieder dienstlich und privat austauschen können. Vielleicht legen Sie hier Gruppen für Videospiele, Freizeitaktivitäten, Kleinanzeigen und ähnliches an. Das geht natürlich auch bei Facebook, WhatsApp oder auf jeder anderen Plattform, die Gruppen unterstützt. Forensysteme wie phpBB lassen sich leicht auf einem Intranet-Webserver aufsetzen und benötigen bei kleinen Teams recht wenig Verwaltungsaufwand.

6. Virtuelle Anwesenheit bei Teamaktivitäten ausprobieren

Eine weitere Möglichkeit zum Teambonding virtueller Teams sind Gruppenaktivitäten, der klassische „Klettergarten“. Natürlich können entfernte Mitarbeiter hier nicht teilnehmen, zumindest nicht in Person.

Was aber durchaus möglich ist, sind Telepräsenzen: Schalten Sie Ihre virtuellen Teammitglieder doch über eine Videochat-Software wie Skype auf einzelnen Smartphones und Tablets zu, wenn Sie etwas mit der Gruppe unternehmen. Der nächste Schritt wären sogenannte Telepräsenz-Roboter wie die von Double Robotics, die allerdings einen recht hohen Kosten- und Wartungsaufwand verursachen und sich nur in Einzelfällen lohnen.

7. Virtuelle Coffee-Meetings einrichten

Zu guter Letzt gibt es natürlich noch die einfache Methode, sogenannte „Coffee-Meetings“ einzurichten. Zwei Team-Mitglieder an entfernten Arbeitsplätzen verlassen dafür bewusst für eine Besprechung ihren Arbeitsplatz, suchen sich den nächsten Kaffee-Laden mit Wi-Fi – eine der großen, weltweit aktiven Ketten sollte ausreichen – auf und führen an diesem Ort eine Besprechung durch.

Das entspannt nicht nur die Zusammenarbeit, sondern hilft auch beim kreativen Brainstorming. Natürlich nur, wenn es sich um Teammitglieder handelt, die sich grundsätzlich verstehen – und Sie das Kaffee-Treffen nicht zum gezwungen-lockeren Event hochstilisieren. Natürlich muss es kein Kaffeeladen sein: Auch virtuelle Mittagessen bei den international agierenden Fast-Food-Ketten sind denkbar.

Um den Smalltalk anzuregen, ist es natürlich sinnvoll, wenn beide Mitarbeiter eine Filiale der gleichen Kette an ihrem jeweiligen Arbeitsort aussuchen. So kann ein lockeres Gespräch schon einmal locker mit den landestypischen Unterschieden von Hamburgern, Soja-Latte oder Smoothies beginnen.

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