Lizenzbedingungen im Detail

Software-Nutzungsrechte vergeben und absichern

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Die EULA, also End User License Agreement, ist die bekannteste Form dem Nutzungsrecht-Übertragung.
Die EULA, also End User License Agreement, ist die bekannteste Form dem Nutzungsrecht-Übertragung. (© Jérôme Rommé - Fotolia.com)

Die bekannteste Ausprägung des Software-Lizenzvertrags ist die Nutzungsrecht-Vergabe. Doch wie werden die Lizenzbedingungen in App Stores und im Selbstvertrieb durchgesetzt?

Bei kommerzieller Software für Endkunden ist es üblicherweise der Fall, dass eine Software als Produkt an viele unbekannte Kunden verkauft werden soll. Hier hat sich die zeitlich oder an einen Kunden gebundene Übertragung bestimmter Nutzungsrechte durchgesetzt.

Entwickler sollten für die Erstellung eines juristisch stichfesten Lizenzvertrages unbedingt einen Lizenzanwalt zu Rate ziehen, insbesondere wenn auch internationale Kunden angesprochen werden sollen: Das Lizenzrecht ist von Land zu Land unterschiedlich, hier lauern zahlreiche Stolperfallen.

Da es sich bei der Software-Lizenz aber letztlich um einen zivilrechtlichen Vertrag handelt, ist dieser üblicherweise durch die Vertragsfreiheit geschützt – sofern keine Sonderfälle oder eine Sittenwidrigkeit vorliegt. Im Grunde kann also jeder Entwickler seinen Lizenztext frei formulieren.

In dem Moment, wo der User ihn bestätigt, geht er einen Vertrag ein, der zunächst einmal grundsätzlich zu halten ist. Allerdings gibt es auch hier zahllose juristische Feinheiten, die nur Experten – also etwa Software-Lizenzanwälte – tatsächlich überblicken können. Ein solcher sollte also unbedingt konsultiert werden.

App Stores geben die Lizenzbedingungen vor

Wer dieses Problem umgehen möchte, hat allerdings die Möglichkeit, seine Software in den App Stores von Apple, Microsoft und Co. zu vertreiben. Hier gibt es „feste“ Lizenzbedingungen, die von den jeweiligen Plattformen vorgegeben sind und die der Endnutzer unabhängig von der App selbst eingegangen ist.

Der Vorteil für Entwickler liegt darin, dass er sich um die Lizenzierung nicht kümmern muss, solange die Anwendung als Einzelprogramm vorliegt. Handelt es sich hingegen um den Client einer Cloud- oder Webanwendung, gelten deren Nutzungsbedingungen natürlich zusätzlich – und müssen dementsprechend ausformuliert werden.

Die Lizenzbedingungen der App Stores für Entwickler sind zudem oft restriktiv, für Kunden hingegen praktisch und erlauben etwa wie im Mac- oder iTunes-Store die Installation auf allen mit einer Apple-ID verknüpften Geräten. Das ist nicht immer im Sinne des Entwicklers, weshalb viele Programme eben nicht als Apps und auch nicht für alle Geräte verfügbar sind. Auch viele Software-Distributoren jenseits der App Stores vergeben eigene Lizenzen, hier allerdings in Absprache mit dem Entwickler.

Die eigene Software mit einem Lizenzschlüssel schützen

Wer seine Software selbst vertreiben möchte, sollte sich allerdings nicht auf den Lizenzvertrag allein verlassen: Dessen Ausformulierung und Bestätigung ist die eine Sache, die tatsächliche Nutzung durch den Anwender und das Nachhalten von Lizenzverletzungen eine andere. In der Praxis werden Lizenzverträge vom Endnutzer ohnehin selten genug gelesen und Programme werden, wenn es möglich ist, natürlich kopiert.

Entwickler haben hier allerdings durchaus Möglichkeiten, zumindest der unerwünschten Verbreitung Einhalt zu gebieten: Wie bei Shareware und vielen kommerziellen Programmen großer Hersteller üblich, sorgen individuelle Lizenzschlüssel, die mit einer Lizenz vergeben werden, für einen gewissen Schutz vor Lizenzverletzungen, etwa die Nutzung auf mehreren Rechnern oder durch mehrere Anwender.

Lizenzschlüssel selbst erstellen

Die einfachste Form ist dabei die Erstellung eines Hash-Werts auf Basis bestimmter Nutzereingaben, bei Shareware etwa der Mail-Adresse oder bei gebündelter Software einer im Programm selbst hinterlegten individuellen Seriennummer. Microsoft berechnet seit Windows XP zusätzlich auch Rechnerkomponenten ein, was zur lästigen Online-Aktivierung geführt hat.

Doch egal, welche Faktoren in die Schlüsselberechnung einfließen – wichtig ist letztlich, dass der Schlüssel eindeutig mit einer bestimmten, nutzergebundenen Eigenschaft (Name, E-Mail-Adresse etc.) verknüpft und damit wiedererkennbar und reproduzierbar ist. Gleichzeitig sollte der Algorithmus aber geheim bleiben und so komplex sein, dass eine Entschlüsselung durch Cracker möglichst schwierig ist.

Der Algorithmus muss dabei sowohl auf dem Lizenzschlüssel-Server arbeiten, als auch in der Software selbst, damit der Schlüssel auch jederzeit auflösbar ist. Natürlich kann auch eine reine Online-Aktivierung implementiert werden – hierbei muss auf die verschlüsselte Verbindung zwischen Endanwender und Server geachtet werden. Kunden sind an diese Art der Lizenzierung gewöhnt, weshalb sie sich relativ einfach umsetzen lässt.

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