Veränderte Nachfrage

Software-Lizenzierung geht auch Entwickler etwas an

| Autor / Redakteur: Michael Gaudlitz * / Stephan Augsten

Der Software-Vetrieb interessiert den Entwickler kaum, wirkt sich aber vermehrt auf die Akzeptanz aus.
Der Software-Vetrieb interessiert den Entwickler kaum, wirkt sich aber vermehrt auf die Akzeptanz aus. (Bild: geralt - Pixabay.com / CC0)

Durch die digitale Integration haben sich die Spielregeln für die Programmierung und Nutzung von Applikationen grundlegend geändert. Software wird heute nicht mehr einfach gekauft – dies passt nicht ins Zeitalter von Cloud und Virtualisierung.

Früher wurden Programme als „All-in-one“-Paket vertrieben, die für verschiedene Einsatzmöglichkeiten gleichzeitig geeignet sein sollten. Heute schrumpft die Akzeptanz solcher Software-Sammlungen. Kunden sind nicht mehr bereit, für nicht-benötigte Zusätze zu bezahlen. Stattdessen erwarten sie maßgeschneiderte Lösungen.

Pay-per-Use-Modelle und Self-Service-Entitlement wie in vielen Cloud-Angeboten klettern auf der Beliebtheitsskala nach oben und treffen den Zeitgeist der Anwender. Es ist keine Überraschung, dass Microsoft schon vor einiger Zeit bei seinen Office Suites auf flexiblere Bezahlmodelle umgestiegen ist.

Schlüssel zum Erfolg ist das richtige Bezahlmodel

Der Trend betrifft Programmierer stärker als man annimmt, denn die Tendenz hin zum User-zentrierten Lizenzieren von Software bringt für sie Vorteile. Dies sollte in einem frühen Stadium der Produktentwicklung bereits bedacht werden: Sowohl im Consumer als auch im Unternehmensbereich setzen sich neue Modelle der Software-Verbreitung durch.

„Anytime & Anywhere“ heißen die beiden neuen Prinzipien beim Zugang zu Applikationen. Bezahlung richtet sich ausschließlich nach Nutzung, starre Laufzeiten widersprechen der Dynamik der virtuellen Welt. Software-Anbieter müssen sich daher auf Entwicklung einstellen, sonst orientieren sich Kunden zu anderen Angeboten.

Aktuell fällt es vor allem großen Anbietern noch schwer, sich von alten Geschäftsmodellen zu verabschieden. On-Premise-Modelle und den Verkauf von Hardware nehmen Kunden aber immer stärker als zu unflexibel wahr. Eine Umstellung gilt in den Entwicklungsabteilungen hingegen als aufwendig und zu umfangreich. Dabei können digitale Vertriebswege in Kombination mit der richtigen Innovation den Markt schnell umkrempeln.

Entwicklern bieten sich zahlreiche Vorteile: Einerseits lassen sich mit nur einer Entwicklung mehrere Produkte bereitstellen. Dabei trennt die Lizenz verschiedene Use-Cases. Diese entsprechen der Nachfrage der Nutzer. Während der Entwicklung lassen sich solche Module als Einheit programmieren und testen. Dies verkürzt die Zeit bis zur Marktreife und ermöglicht ausgereiftere Produkte.

Andererseits lassen sich Produkte nach Umfang skalieren. Über granulare Abstufungen kann so die gleiche Software in unterschiedlichen Umfang angeboten werden – mit flexiblen Preismodellen, je nach Anspruch des Kunden.

Kunden reagieren äußerst positiv, wenn ein Programm sich nach ihren Bedürfnissen richtet. Zudem sinkt der Aufwand für Installation und Implementierung, sodass sich Software über App-Stores schnell ausrollen und verbreiten lässt. Die Nutzung moderner Lizenzierungsmethoden ist deshalb auch bei bestehender Software sinnvoll und lässt sich im Nachhinein implementieren.

Umgang mit dem sich verändernden Markt

Die Nutzung moderne Vertriebsansätze verlagert mehr Verantwortung auf die Programmierer. Sie müssen intellektuelles Eigentum schützen, um Reverse Engineering und Missbrauch des Software-Codes zu verhindern. Gleichzeitig bauen Developer ein Grundgerüst, um Unternehmen zu finanzieren und das Vertrauen der Anwender zu gewinnen.

Traditionelle „One Size Fits All“-Ansätze eignen sich nicht, um Kunden dauerhaft zu binden. Moderne Nutzer lehnen es ab, für unnötige Lizenzpakete zu bezahlen, und bestehen auf eine individualisierte User-Experience. Überflüssige Teile von Software-Paketen verlängern zudem das On-Boarding. All das wirkt sich negativ auf die Nutzererfahrung aus. Entwickler müssen sich mit dieser Problematik auseinandersetzen.

Zusätzlich schreitet die digitale Integration immer weiter voran: Bald werden Anwender auf eine weitere Vernetzung von Applikationen bestehen und neue Bezahlmethoden verlangen; inklusive der Integration in die Betriebsabläufe, um eine vollständige Automatisierung zu erreichen. Dies erfordert zudem den Anschluss an das firmeneigene ERP-System.

Besonders im professionellen Umfeld steigen die Anforderungen. Entwickler sollten schon früh umdenken. Ein Abwarten, bis Anstöße von der Unternehmensführung oder aus dem Vertrieb kommen, birgt ein hohes Risiko – kostbare Zeit droht verloren zu gehen.

Die Situation hat sich grundlegend gewandelt. Unternehmen setzen vermehrt auf leistungsfähige Endgeräte, Software-as-a-Service, on-Demand-Angebote und Cloud-Dienstleister. Digitale Innovation und deren Adoptionsfähigkeit zählen zu den kritischen Fähigkeiten im Wettbewerb. Dadurch entsteht eine unglaubliche Dynamik auf dem Markt für Software. Entwickler sollten entsprechend reagieren.

Die Nutzerorientierung bedeutet zwei fundamentale Prinzipen für Software:

  • Gleiche Nutzererfahrung: Egal, von wo der Anwender eine Lösung einsetzt oder auf diese zugreift – er erwartet eine nahtlose User Experience. Programme müssen heute in der Cloud, in hybriden Umgebungen oder On-Premise gewohnte Funktionen bieten.
  • Ständiger Zugriff: Genauso darf die Plattform keine Rolle mehr spielen. Software sollte alle modernen Einsatzmöglichkeiten unterstützen: On-Premise vom Desktop-PC werden genauso erwartet wie der mobile Zugriff vom Smart Phone.

Die Implementierung des richtigen Models zur Lizenzierung spielt eine immer größere Rolle. Sich häufende Cyberangriffe betreffen auch den Diebstahl von geistigem Eigentum, wie Source Codes für Software. Unzureichend geschützte Applikationen sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko. Sie lassen sich auch leicht illegal verkaufen. Unnötig komplizierte Ansätze dagegen scheitern oft an den Erwartungen der Kunden, die sich an komfortablere Angebote gewöhnt haben.

Fazit

Richtige Bezahl- und Lizenzierungssysteme wirken als Business-Enabler, wenn sie den Anwendern durch klare Kostenstrukturen vertrauenswürdige Angebote liefern. Diese müssen zusätzlich genau den momentanen Bedarf abdecken. Durch die Digitalisierung lassen sich Produkte heute effizienter verbreiten. Der Vertriebskanal für Applikationen hat sich deutlich verändert.

Teil dieses Prozesses ist auch eine Anpassung in der Produktentwicklung. Einige Software-Programmierer haben die Vorteile der digitalen Transformation bereits erkannt und zusammen mit Partnern passende Lösungen implementiert. Speziell mit der zunehmenden Verbreitung von Mobilgeräten und IoT wird dieser Vorsprung immer mehr ins Gewicht fallen. IT-Fachkräfte in der Branche sollten auf den Trend reagieren und entsprechende Konzepte bereits in der Entwicklung bedenken.

Michael Gaudlitz
Michael Gaudlitz (Bild: Gemalto)

Dabei braucht es keine radikale Wende. Spezialisierte Anbieter sind in Lage, abgestufte Lösungen zur Verbesserung des Vertriebs zu implementieren, sodass Softwareunternehmen jederzeit Anpassungen umsetzen können.

* Michael Gaudlitz ist Regional Sales Manager IoT/Embedded bei Gemalto.

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