Kommentar zum ThoughtWorks Technology Radar

IT- und Development-Trends von morgen

| Autor / Redakteur: Erik Dörnenburg * / Stephan Augsten

Mit dem Technology Radar erfasst ThoughtWorks aktuelle Technologien, Plattformen, Tools sowie Programmiersprachen und Frameworks.
Mit dem Technology Radar erfasst ThoughtWorks aktuelle Technologien, Plattformen, Tools sowie Programmiersprachen und Frameworks. (Bild: Marat Gilyadzinov - Unsplash.com / CC0)

Welche zukunftsweisenden Techniken, Werkzeuge, Programmiersprachen und Plattformen beeinflussen aktuell den Alltag von IT-Projekten? Diese Frage beantwortet der ThoughtWorks Technology Radar.

Ursprünglich war der Technology Radar ein internes Dokument von Thoughtworks. Der Report wurde von Mitarbeitern angelegt, um teamübergreifend einen besseren Überblick über die zahlreichen technologierelevanten Themen zu erhalten. Des Weiteren ging es darum, Trends zu identifizieren, damit diese frühzeitig in IT-Projekte aufgenommen werden konnten.

Inzwischen hat sich der Technology Radar zu einem Wegweiser für die IT-Branche etabliert. Auf die Methodik und Hintergründe des Reports gehen wir später noch einmal ein. Außerdem erläutern wir, wie der Radar sich personalisieren lässt. Was aber sind die Haupttrends des aktuellen Tech Radars?

Für das Jahr 2017 haben wir fünf Haupttrends identifiziert:

  • 1. Conversational User Interfaces (UI) und Sprachverarbeitung
  • 2. Intelligence as a Service
  • 3. Developer Experience als differenzierender Faktor
  • 4. Bedeutungsgewinn von Plattformen
  • 5. Allgegenwärtiges Python

Trend #1 – Conversational UI und Sprachverarbeitung

Aktuell ist knapp ein Drittel der Führungskräfte der Meinung, dass Spracherkennung die verbreitetste KI-Technik in ihrem Unternehmen ist. Conversational UI und Sprachverarbeitung erobern den Markt im Sturm. Nachdem sich mobile Anwendungen wie Siri, Cortana und Allo verbreitet haben, halten nun Geräte wie Amazon Echo und Google Home Einzug in unser Zuhause.

Der Conversational-UI-Trend ist jedoch nicht auf Stimme beschränkt. Die Nutzung von Messaging Apps ist über die letzten Jahre rasant gestiegen. Sie sind ein täglicher Begleiter, ob auf unseren privaten Mobiltelefonen oder zunehmend auch im Arbeitsleben.

Intelligente Chatbots werden immer häufiger für direkte Kundenkommunikation eingesetzt. Sie werden stetig besser darin, den Kontext einer Unterhaltung zu verstehen und zu verarbeiten. Das macht die Interaktionen realistischer und ansprechender. Dadurch werden die Chatbots immer besser vom Nutzer angenommen.

Wir beobachten nicht nur ein explosionsartiges Interesse am Markt und in den Mainstream-Medien, sondern auch ein großes Interesse bei unseren Entwicklern. Darüber hinaus erwarten wir zunehmende multimodale Interaktionen mit der Integration von Gestik, Mimik und Berührung.

Trend #2 – Intelligence as a Service

Eine Vielzahl von leistungsfähigen Plattformen, die Dienstleistungen wie beispielsweise Sprachverarbeitung, Bilderkennung oder „Deep Learning” anbieten, werden bereits heute in der Industrie eingesetzt. Anwendungen, die vor einigen Jahren noch kostspielig waren, stehen nun als Open Source oder Cloud Service zur Verfügung. Der Wettbewerb unter den Cloud-Anbietern hat sich von „Storage“ und „Compute“ weg entwickelt, und findet nun beispielsweise mit komplexeren kognitiven Services statt.

Sowohl die großen Cloud-Anbieter als auch interessante Spezialisten bieten Lösungen an. Wir sind uns der Auswirkungen auf die Privatsphäre sowie ethischer Probleme bewusst, sehen aber zugleich viele Möglichkeiten, diese leistungsfähigen Werkzeuge in neuartiger Weise zu nutzen.

Trend #3 – Developer Experience als differenzierender Faktor

Developer Experience bedeutet, einen Fokus auf die Produktivität von Entwicklern zu legen. Unternehmen evaluieren heute Cloud-Angebote danach, wie einfach Entwicklerteams zusammengestellt werden können, wie reibungslos sie zusammenarbeiten und wie schnell APIs als Produkte entwickelt werden. Eine optimierte Developer Experience wird heute als Unterscheidungsmerkmal in der Attraktivität für neue Talente gesehen, und die damit einhergehende hohe Produktivität verschafft Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.

Zu den zukunftsweisenden Techniken gehören hier:

  • 1. Interne Infrastruktur als Produkt, das überzeugend genug ist, um mit externen Angeboten zu konkurrieren.
  • 2. Konzentration auf Selbstbedienung.
  • 3. Wert auf die einfache Verwendung der entwickelten APIs legen.
  • 4. Legacy-Code isolieren, um „Legacy in a Box“ zu schaffen.
  • 5. Ständige Verbesserung der Benutzererfahrung durch die angebotenen Dienste.

Trend #4 – Bedeutungsgewinn von Plattformen

Mehrere Firmen zeigen bereits, dass Plattformen wichtige Vorteile mit sich bringen, zum Beispiel AWS von Amazon. Unternehmen berücksichtigen Plattformen zur Bereitstellung ausgewählter produktspezifischer APIs. Entwicklerteams nutzen Plattformen, um ihre Arbeit effizienter zu gestalten. Dieser Trend geht Hand in Hand mit dem zuvor beschriebenen „Developer Experience Design” und wir freuen uns, zukünftig von den Synergieeffekten profitieren zu können.

Trend #5 – Allgegenwärtiges Python

Python taucht mittlerweile in vielen übergreifenden Anwendungsfeldern auf und erlebt unter anderem auch dank KI einen Aufschwung. Wurde Python ehemals im akademischen Umfeld und in der Forschung benutzt, greifen heute Softwareentwickler auf Python Code zu, der von Wissenschaftlern geschrieben wurde.

Architekturen wie Microservices und Container erleichtern die Nutzung von Python in Produktionsumgebungen. Softwareentwickler können nun Python Code mit Wissenschaftlern gemeinsam entwickeln und direkt produktiv stellen.

Die Methodik hinter dem Thoughtworks Technology Radar

Der aktuelle Technology Radar 2017.
Der aktuelle Technology Radar 2017. (Bild: ThoughtWorks)

Wir werden die genannten Trends weiter beobachten und im nächsten Technology Radar, der im November 2017 erscheint, erneut bewerten. Unser sogenanntes Technology Advisory Board (TAB) erstellt nämlich zweimal im Jahr eine Analyse aktueller technologischer Entwicklungen und Trends.

Hierzu werden weltweit unsere Kunden sowie viele Mitarbeiter von ThoughtWorks befragt, die durch ihre tägliche Arbeit mit den neuesten Fragen und Entwicklungen konfrontiert werden. Die als wichtig eingestuften Themen erscheinen auf der Radar-Grafik als Punkte, sogenannte Blips.

Das TAB ist in folgende vier Quadranten unterteilt: (1) Techniken, (2) Plattformen, (3) Tools sowie (4) Sprachen & Frameworks. Besondere Aufmerksamkeit legt das TAB dabei auf die Einordnung der Themen in die verschiedenen Ringe:

  • 1. Adopt: Die Technologien und Praktiken in diesem Ring sind ausgereift und in der Praxis reichlich erprobt. Kontext und Anwendungsfall vorausgesetzt können wir diese Technologien uneingeschränkt empfehlen.
  • 2. Trial: Mit diesen Technologien machen wir bereits viele positive Erfahrungen und haben keine Vorbehalte, sie auf Projekten einzusetzen.
  • 3. Assess: Diese Technologien sollte man im Auge zu behalten. Sie werden von uns bereits in einigen Projekten erfolgreich eingesetzt, dabei jedoch ständig neu evaluiert.
  • 4. Hold: In diesem Ring befinden sich Technologien, die wir entweder für noch nicht ausgereift halten oder bei denen wir generell von einer Verwendung abraten.

Der Technology Radar ist fester Bestandteil der ThoughtWorks Tech@Core-Strategie, die sich neben den technologischen Trends auch mit der Umsetzung in Unternehmen und dem damit einhergehenden notwendigen Paradigmenwechsel befasst. Um die Ergebnisse des Tech Radar möglichst vielen interessierten Menschen in Deutschland zugänglich zu machen, werden diese im Rahmen von Veranstaltungen in Berlin, Hamburg, Köln und München vorgestellt. Bei diesen Events besteht die Möglichkeit, Einzelheiten direkt zu beleuchten, Mitglieder des TAB kennenzulernen und sich über die definierten Trends auszutauschen.

„Build Your Own Radar“: Was ist das und wie kann man ihn erstellen?

Hinter dem Tech Radar steckt mehr als die pure Analyse und Einordnung technologischer Trends. Mit der gleichen Vorgehensweise, die wir zur Erstellung unseres Radars verwenden, können Unternehmen ihren individuellen Technology Radar erstellen.

Hierfür stellen wir das Werkzeug „Build your own Radar“ kostenlos im Internet bereit. Zudem veranstaltet ThoughtWorks öffentlich zugängliche Workshops, in denen das Team bei der Erstellung eines an die individuellen Bedürfnisse angepassten Radars unterstützt.

* Erik Dörnenburg ist Head of Technology bei der ThoughtWorks Deutschland GmbH.

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