Auf die Middleware kommt‘s an

Die Applikationsumgebung beibehalten und modernisieren

| Autor / Redakteur: Erica Langhi * / Stephan Augsten

Middleware ermöglicht eine bessere Integration und den Austausch von Daten, die über unterschiedliche Applikationen und Prozesse hinweg verstreut sind.
Middleware ermöglicht eine bessere Integration und den Austausch von Daten, die über unterschiedliche Applikationen und Prozesse hinweg verstreut sind. (Bild: geralt - Pixabay.com / CC0)

Für den Erfolg der Digitalen Transformation ist die nahtlose Integration von Legacy-Systemen, neuen Applikationen und Infrastruktur ausschlaggebend. Dabei übersieht die IT oft die entscheidende Rolle der Middleware. Gerade sie kann aber die Brücke schlagen zum vernetzten Unternehmen.

Mit der Digitalisierung ist ein Zeitalter der agilen Entwicklung und hybriden Technologien angebrochen, das zu einer „API-Economy“ geführt hat. Sie verspricht einerseits zahlreiche Vorteile, bedeutet aber andererseits für IT-Teams einen zunehmenden Druck, komplexe Umgebungen bereitzustellen und zu verwalten – vor allem hinsichtlich der Vernetzung von Daten, Applikationen und Geräten. Rund um diese Herausforderungen gibt es viele Diskussionen, aber ein besonders kritischer Punkt kommt dabei vielfach zu kurz: die Middleware.

Die Digitalisierung wird oft mit der schnelleren Entwicklung neuer Applikationen gleichgesetzt. Eine Studie von Red Hat hat ergeben, dass die Wartung und Aktualisierung vorhandener Applikationen erwartungsgemäß zu den Top-IT-Prioritäten vieler Unternehmen zählt; für 71 Prozent der befragten Kunden von Red Hat ist dies der Fall. Für immerhin 53 Prozent ist aber auch die schnellere Entwicklung neuer Applikationen von entscheidender Bedeutung.

Viele Unternehmen sehen sich deshalb auch mit einem Integrationsproblem konfrontiert, bedingt durch siloartig strukturierte Systeme und Datenquellen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Es kann dabei sehr schwierig sein, den besten Startpunkt für die Entflechtung zahlreicher ungleicher Systeme und Datenquellen zu identifizieren, wenn die Entwicklung neuer Applikationen, die integriert werden müssen, beabsichtigt ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Legacy-Applikationen nicht für die Cloud entwickelt sind und ein Redesign weit entfernt von einer kosteneffizienten Vorgehensweise wäre. Auch dadurch ergibt sich die Notwendigkeit zur Konzeption neuer Applikationen, die Cloud-fähig und leicht integrierbar mit vorhandenen Systemen und Applikationen sind. Auch darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, dass etliche Unternehmen neue Applikationen unter Verwendung von Technologien wie Microservices oder Containern entwickeln wollen.

36 Prozent der in der angeführten Studie Befragten untersuchen oder planen die Bereitstellung von Microservices-Architekturen im nächsten Jahr und 29 Prozent erklärten, dass sie sie bereits nutzen oder gerade implementieren. Noch höher lagen die Werte bei Containern: 38 Prozent befinden sich in der Planungs- und 33 Prozent in der Implementierungsphase.

Middleware leistet die Integration

Wenn Unternehmen ihre Applikationsumgebung modernisieren wollen, ist eine entscheidende Frage, wie die Brücke zwischen alten und neuen Technologien sicher und sinnvoll zu schlagen ist. Das heißt: Wie können die vorhandenen Applikationen beibehalten und gleichzeitig die Vorteile neuer agiler Architekturen und Tools genutzt werden?

Einen wesentlichen Aspekt berücksichtigen IT-Verantwortliche dabei oft nicht: Die meisten Antworten auf die mit der Integration verbundenen Fragen liegen in der Middleware. Es ist dabei die Technik, die nicht gesehen wird und die gerade zur Bewältigung diverser komplexer Probleme hinter Systemen zur Reisebuchung, elektronischen Fahrkartenausgabe oder zur Fraud Detection bei Kreditkartenzahlungen beitragen.

Mit Middleware-Technologien lassen sich diese Systeme integrieren und Daten teilen, die über unterschiedliche Applikationen und Prozesse hinweg verstreut sind. Sie unterstützen Anwender überdies mit der Automatisierung von Geschäftsprozessen und -regeln, die Unternehmen auch eine schnelle Reaktion auf geänderte Anforderungen ermöglichen.

Indem sie sowohl das Backend bereinigt als auch als Plattform für die Konzeption von Applikationen fungiert, kann Middleware die Bereitstellung neuer Services für Mitarbeiter und Kunden beschleunigen. Und sie ermöglicht Unternehmen, dies unabhängig von Infrastruktur und Geräten zu tun – etwa mit der Flexibilität, Applikationen on-premise, in der Cloud oder in einer Kombination aus beidem zu betreiben.

Für das Logistik-Unternehmen Hermes beispielsweise ermöglicht Middleware eine bessere Nachverfolgung von Lieferungen für Kunden – ein früher zweistündiger Prozess mit manueller Datenzusammenstellung und Integration in Kunden-Webportale konnte so automatisiert und auf rund 60 Sekunden verkürzt werden. Und bei der Telegraph Media Group hat eine Middleware-basierte Integrationsplattform den Launch neuer digitaler Inhalte auf Desktop-PCs, Tablets und Smartphones deutlich vereinfacht.

Daten müssen im Mittelpunkt stehen

Die API-Economy hilft bei der Demokratisierung des Zugriffs auf Daten und Services und stellt damit eine großartige Möglichkeit dar, Menschen und Unternehmen besser miteinander zu vernetzen. Wenn CIOs ein vernetztes Unternehmen realisieren wollen, sollten sie damit beginnen, die Daten in den Mittelpunkt zu stellen.

Viele Unternehmen besitzen wahre Informationsschätze, auch wenn sie nur auf einer Vielfalt von Plattformen liegen. Das Problem ist nicht der Mangel an Daten; vielmehr liegt die Herausforderung für Unternehmen darin, die richtigen Daten zur richtigen Zeit zur Hand zu haben. Sie müssen sich mit einem gigantischen Daten-Tsunami auseinandersetzen, der von verschiedensten Quellen generiert wird wie Social Media oder vernetzten Geräten.

IT- oder Applikationsverantwortliche sollten Daten deshalb weniger als ein statisches Data Warehouse betrachten, sondern vielmehr als eine dynamische Data Fabric. Herkömmliche Ansätze bei der Integration bringen die Kosten und Komplexität mit sich, die mit Data Warehouses oder Techniken wie ETL (Extract, Transform, Load) verbunden sind.

Im Gegensatz dazu erhalten Unternehmen mit einer Data Fabric die Möglichkeit, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und neue Quellen leicht zu erschließen und aus traditionellen Silos zu transformieren. Und wiederum können hierfür Middleware-Technologien genutzt werden, und zwar in Form von Datenvirtualisierungstechnologien.

Die Datenvirtualisierung kann für die Einführung eines Datenzugriffs-Layers genutzt werden, der Informationen erfassen und sie für Analysetools aufbereiten kann. Mit dieser Technik stehen exakte Daten in Echtzeit zur Verfügung, ohne dass unnötige Replikationen erstellt werden oder Kosten für nicht synchrone Reports anfallen. Auf diese Weise erreichen Unternehmen auch eine höhere Produktivität und Effizienz, da Daten aus Silos als vereinheitlichte Informationen bereitgestellt werden.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das einen Datenzugriffs-Layer zur Unterstützung von Echtzeit-Entscheidungen implementiert hat, ist die Royal Bank of Scotland (RBS). Dadurch lassen sich zahlreiche Detailinformationen aus unterschiedlichen Systemen – beispielsweise für Transaktionen oder das Risikomanagement – erfassen und über den richtigen Kanal in der richtigen Art und Weise bereitstellen. Business-Intelligence-Teams können dann mit adäquaten Tools das Data Mining vornehmen und Erkenntnisse gewinnen, die sowohl zur Optimierung des Geschäfts als auch zur Verbesserung der Customer Experience beitragen können.

Es zeigt sich somit, dass Middleware ein Schlüsselelement einer modernen Architektur ist. Und Unternehmen, die ihren strategischen Wert erkennen, können an vorderster Front auf dem Weg zur Digitalisierung stehen.

* Erica Langhi ist Solution Architect bei Red Hat

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