Software-Anforderungen klar definieren

Das Lastenheft bei der Anwendungsentwicklung

| Autor / Redakteur: Christian Rentrop / Stephan Augsten

Im Lastenheft werden alle Funktionen und Merkmale festgehalten, die man sich von einer Software wünscht.
Im Lastenheft werden alle Funktionen und Merkmale festgehalten, die man sich von einer Software wünscht. (Bild: ulleo - Pixabay.com)

Keine Software-Entwicklung ohne Lastenheft: Wenn Sie für Ihr Unternehmen eine Software entwickeln lassen möchten, sollten Sie vorab klar definieren, welche Funktionen diese haben soll. Das Lastenheft dient dazu, die Features genau zu spezifizieren – und Angebote einzuholen.

Irgendwann kommt wohl jedes Unternehmen an den Punkt, an dem vorgegebene Software-Lösungen nicht mehr ausreichen. Zwar bieten Open-Source-Anbieter oder große Software-Hersteller wie Microsoft und SAP eine Vielzahl von Lösungen, die maximale Produktivität ermöglichen.

Doch abseits dieser Standard-Software sind immer öfter Spezialanwendungen gefragt, egal ob sich dabei um eine einfache App für Endkunden, Anpassungen vorhandender Open-Source-Lösungen oder ein vollumfängliches Warenwirtschaftssystem handelt. Damit diese Anwendung zielgerichtet entwickelt werden kann, ist ein Lastenheft unerlässlich.

Das Lastenheft spezifiziert die Anforderungen

Im Lastenheft skizziert der Auftraggeber zunächst intern die Anforderungen einer Software. Denn vor der eigentlichen Beauftragung eines Software-Projekts müssen unternehmensintern natürlich zunächst einige Dinge geklärt werden: Was soll die Software können, welche Funktionen soll sie haben, wen soll sie ansprechen, wer soll damit arbeiten und so weiter.

Diese Informationen werden dann im Lastenheft in Form eines „lockeren“ Anforderungskatalogs festgehalten, sprich: Die Verantwortlichen im Unternehmen definieren, was es eigentlich haben möchte. Dieser Prozess ist unternehmensintern wichtig, um vor der eigentlichen Ausschreibung zu planen, was am Ende herauskommen soll.

Festgehalten wird jedoch nicht die konkrete Art der Umsetzung – dies wird später Bestandteil des Pflichtenhefts, das zusammen mit dem Auftragnehmer erstellt wird –, sondern der Wunsch des Auftraggebers: Das Lastenheft beschreibt letztlich verbindlich, was zu welchem Zweck gemacht werden soll, nicht jedoch, wie die Umsetzung im Detail auszusehen hat.

Der Vorteil eines ordentlichen Lastenhefts

Da das Lastenheft sozusagen als „Wunschliste“ an potenzielle Auftragnehmer, also Entwickler, versendet wird, bietet es sich an, es möglichst knapp und in geraffter Form zu erstellen. Dabei gilt die Regel: So viel Informationen wie nötig, so wenig wie möglich.

Je nach Komplexität des Projekts kann das Lastenheft natürlich relativ lang werden, es sollte dabei aber immer für potentielle Auftragnehmer und natürlich auch Mitarbeiter im Unternehmen verständlich und überprüfbar bleiben. So lassen sich Missverständnisse vermeiden, die bei der Erstellung des Pflichtenhefts mit einem Auftragnehmer auftreten können. Gleichzeitig ist jederzeit ein Werkzeug zur Hand, mit dem der aktuelle Stand der Entwicklung abgeglichen werden kann; selbst dann, wenn zwischendurch wegen Krankheit, Schwangerschaft oder Pensionierung im Projekt verantwortliche Mitarbeiter wechseln.

Was sollte ein Lastenheft enthalten?

Obwohl der eigentliche Ablauf einer Projektabwicklung in der DIN 69901 genormt ist, ist die eigentliche Form nicht festgelegt und kann sich von Branche zu Branche stark unterscheiden. Betriebsintern gibt es keine festen Vorgaben oder Normen, allerdings gibt es durchaus eine Normierung für die Inhalte eines Lastenhefts, wenn es in einer Ausschreibung eingesetzt wird. Diese bezieht sich primär auf seine Inhalte. Das Lastenheft muss unter anderem folgende Informationen enthalten:

  • Eine Spezifikation des zu erstellenden Software-Produkts,
  • die konkreten Anforderungen für den Einsatz wie etwa Plattformen oder Einsatzzweck,
  • technische Anforderungen, etwa DIN- und ISO-Normen oder Systemvorgaben,
  • vertragsrechtliche Rahmenbedingungen für die Leistungserbringung wie den Zeitrahmen oder Regelungen zur Gewährleistung sowie
  • Anforderungen, die der Auftragnehmer in Sachen Zertifizierungen und Projektmanagement erfüllen muss.

Passende Auftragnehmer finden

Insgesamt ist dieses „Ausschreibungs-Lastenheft“ damit auch ein Mittel, um passende Auftragnehmer zu finden: Potenzielle Entwickler, die die im Lastenheft angegebenen Anforderungen nicht erfüllen, weil sie zum Beispiel bestimmte Zertifizierungen in Sachen Sicherheit oder Gewährleistungsvorgaben nicht erfüllen können, werden dadurch bereits bei der Ausschreibung disqualifiziert.

Insofern kann es sinnvoll sein, ein absolutes Minimum an Anforderungen zu definieren, um möglichst viele Angebote einholen zu können und dadurch möglicherweise die Kosten zu senken. Gleichzeitig kann der Auftragnehmer bereits im Vorfeld sehr präzise abschätzen, welche Aufgaben auf ihn zukommen. Bei der Erstellung eines Angebots kann er damit vergleichsweise präzise planen. Damit ist es auch Grundlage für Vertragsverhandlungen und natürlich die Erstellung des Pflichtenhefts.

Einfache sprachliche Form wählen

Natürlich sollte ein Lastenheft zu diesem Zweck möglichst einfach und verständlich formuliert sein. Leider stoßen hier gerade in größeren Unternehmen nicht selten Welten aufeinander: Da sind einerseits die Fachabteilungen, die im Lastenheft eventuell Sprachungeheuer hinterlassen, die mögliche Auftragnehmer durchaus abschrecken können.

Natürlich ist diese Sprache auch stark von der Branche abhängig, doch gerade in der Software-Entwicklung kann es natürlich vorkommen, dass kleinere Unternehmen oder sogar Startups beauftragt werden müssen. Ist das Lastenheft hier sprachlich zu komplex oder enthält gar viele eigentlich nicht zwingend nötige Anforderungen in Sachen Normierung und Zertifizierung, kann es vorkommen, dass diese Gruppe von potentiellen Auftragnehmern abgeschreckt wird.

Das geht so weit, dass es tatsächlich Dienstleister für die Erstellung von Lastenheften gibt: Unternehmen wie EsPresto oder Osseno haben sich darauf spezialisiert, Lösungen für die Lastenheft-Erstellung anzubieten – sowohl in Form eines „Ghostwriters“, als auch in Form von Software-Lösungen. Anbieter dieser Art gibt es mehrere – im Zweifel kann es sinnvoll sein, einen solchen Dienstleister bei der Lastenhefterstellung zu Rate zu ziehen.

Das Lastenheft hilft, Probleme zu vermeiden

Ein ordentlich erstelltes Lastenheft gibt nicht nur den Anforderungskatalog einer gewünschten Softwareentwicklung wieder, sondern hilft Ihrem Unternehmen auch dabei, die passenden Auftragnehmer zu finden. Gleichzeitig können Missverständnisse – sowohl betriebsintern, als auch bei der Beauftragung von externen Dienstleistern – vermieden werden, die sowohl im Ausschreibungsprozess, als auch bei der Erstellung des Pflichtenhefts auftreten könnten.

Intern hat das Lastenheft auch die Funktion, gewünschte Funktionen, Features, Termine und Standards der zu entwickelnden Software nachzuhalten. Dadurch ist es unverzichtbar, wenn Software-Projekte extern, aber auch intern in Auftrag gegeben werden.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44662023 / Software-Erstellung)