Der Transaktionsvermittler würde obsolet

Blockchain-Technik – Wegbereiter für die programmierbare Wirtschaft

| Autor / Redakteur: Philipp Schöne * / Rainer Graefen

Philipp Schöne, Product Manager API Management and IAM, Axway
Philipp Schöne, Product Manager API Management and IAM, Axway (Bild: Axway)

Wenn von „Blockchain“ die Rede ist, fällt häufig im gleichen Atemzug der Name Bitcoin. Die Kryptowährung war die erste Implementierung der Blockchain, aber die Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technik sind weitaus vielfältiger.

Dank Techniken wie E-Mail und Instant Messaging können Menschen unabhängig von ihrem Standort direkt und weitgehend vertraulich miteinander kommunizieren. Beim Handel mit Vermögenswerten beispielsweise spielt Vertrauen eine mindestens ebenso wichtige Rolle: Die Abwicklung solcher Transaktionen wird deshalb gewöhnlich spezialisierten Dritten anvertraut, die die Daten der Beteiligten verifizieren. Die Blockchain stellt diesen Status quo komplett auf den Kopf.

Die Blockchain ist eine Datenkette zur Verifizierung

Mithilfe von Mathematik und fortgeschrittener Verschlüsselungstechnik stellt die Blockchain-Technik eine offene, dezentrale Datenbank zur Aufzeichnung wertbasierter Transaktionen bereit. Dies geschieht mithilfe eines Eintrags, dessen Gültigkeit durch die gesamte Community verifiziert werden kann. Man kann sich dies als eine Art öffentlicher Kontoauszug vorstellen, der mit allen autorisierten Nutzern der Blockchain, die über eine Kopie verfügen, geteilt wird.

Die Einträge im Kontoauszug werden in allen Kontoauszügen im Netzwerk synchronisiert. Die Architektur des Systems stellt sicher, dass es sich bei den vervielfältigten Kontoauszügen um exakte Kopien handelt und dass Transaktionen zwischen Blockchain-Nutzern unveränderlich und endgültig sind. Das System macht dadurch dritte, überprüfende Instanzen überflüssig.

Unbegrenzte Möglichkeiten

Aufstrebende Initiativen lassen ihrer Kreativität rund um die Blockchain-Technik freien Lauf. Die dezentralisierte Open-Source-Plattform Ethereum markierte den Beginn der Bewegung: Mit Hilfe von Ethereum können Entwickler dezentralisierte Anwendungen der nächsten Generation erstellen und zugänglich machen.

Nahezu alles lässt sich verschlüsseln, dezentralisieren, sichern und/oder handeln: Stimmabgaben, Domainnamen, Finanztransaktionen, Crowdfunding, Geschäftsentscheidungen, Verträge und Abkommen, geistiges Eigentum und – dank der Möglichkeit zur Hardware-Integration – auch sogenannte „Smart Property“.

Kurz: Ethereum weitet die Blockchain-Technik auf Verträge aus. Bitcoin beweist bereits, dass dies funktioniert. Es hat sich als äußerst effektiv im Bereich der sogenannten „trustless“-Zahlungen erwiesen, bei denen sich die Beteiligten nicht auf einen Mittelsmann verlassen müssen.

Die Blockchain ebnet den Weg für die programmierbare Wirtschaft, indem sie das Konzept der „Smart Contracts“ einführt: Anwendungen, die exakt so ausgeführt werden können, wie sie programmiert wurden – ohne das Risiko von Ausfallzeiten, Zensur, Betrug oder Fremdeinwirkung.

Wenn eine Blockchain zuverlässigen verteilten Speicher bietet, dann ermöglichen Smart Contracts zuverlässige verteilte Berechnungen. Gegenstand eines Smart Contract können materielle oder immaterielle digitale Vermögenswerte eines Blockchain-Nutzers sein. Eigentumsübertragung und Bezahlung werden bei Einhaltung der Vertragsbedingungen automatisch ausgelöst.

Transparente Regeln

Mithilfe von Smart Contracts sollen in erster Linie geschäftliche Transaktionen mit Fremden ermöglicht werden, und zwar für gewöhnlich über das Internet und ohne die Notwendigkeit einer zentralen Vermittlungsinstanz. Es kann dabei aber auch einfach nur um die Festlegung von Regeln gehen, etwa in Form von „Wenn-Dann-Bedingungen“.

So könnten Eltern ihrem Kind beispielsweise zehn Euro geben, dies als Smart Contract in die Blockchain aufnehmen und die Bedingungen formulieren, dass das Geld nicht während der Schulzeit und nicht allein für den Kauf von Süßigkeiten verwendet werden darf. Die in der Blockchain registrierten Dienstanbieter können diese Bedingungen einsehen – alles ist transparent.

In geschäftlicher Hinsicht bieten Smart Contracts vertikalen Märkten eine gute Möglichkeit, um Geschäfte miteinander zu machen, wobei alle Vertragsparteien auf Grundlage der im Smart Contract festgelegten Bestimmungen miteinander interagieren. Dies setzt Schnittstellen – offene APIs – voraus, um die Infrastrukturen der Geschäftspartner flexibel zu integrieren.

Viele Unternehmen arbeiten bereits im Zuge einer übergeordneten digitalen Strategie daran. Die programmierbare Wirtschaft wird sich gewiss ganz natürlich weiterentwickeln, und durch die Smart Contracts werden Transaktionen mit autonomen Maschinen wahrscheinlich bald zum neuen Standard.

* Philipp Schöne ist Product Manager API Management and IAM bei Axway

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